Streit mit Lokführergewerkschaft – Deutsche Bahn will Tarifeinheitsgesetz durchsetzen

| Foto: DB AG / Volker Emersleben |


Inmitten des Tarifkonflikts mit der Lokführergewerkschaft GDL hat die Deutsche Bahn laut einem Medienbericht angekündigt, das Tarifeinheitsgesetz, das seit dem 1. Januar 2021 gilt, durchzusetzen.

Das Unternehmen hat am Freitag entsprechende Informationen an seine Beschäftigten verschickt, wonach künftig im jeweiligen Betrieb nur noch der Tarifvertrag der jeweils stärksten Gewerkschaft gelten soll. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die Umsetzung werde jedoch mehrere Monate in Anspruch nehmen, heißt es.

Solange es keine andere Vereinbarung mit den Beteiligten gebe, sei man verpflichtet, das Gesetz umzusetzen, teilte das Unternehmen dem Bericht zufolge mit. Hintergrund ist die Rivalität zwischen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Bislang galten beide Tarifverträge mit den jeweiligen Sonderregeln für bestimmte Berufsgruppen.


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In Gewerkschaftskreisen wird laut Reuters vermutet, dass die Deutsche Bahn mit dem Vorgehen Druck vor allem auf die GDL ausüben will. Während die EVG bereits einen neuen Tarifvertrag mit dem Konzern geschlossen hat, sind DB und GDL nach einer gescheiterten Schlichtung im vergangenen Herbst weiter auf Konfrontationskurs. Der aktuelle Tarifvertrag zwischen der Deutschen Bahn und der GDL läuft Ende Februar aus – ab März könnten damit Streiks drohen.

Der DB-Konzern beschäftigt allein in Deutschland rund 200.000 Mitarbeitende in insgesamt 300 Betrieben. In den meisten ist die EVG am stärksten, Lokführer und Zugbegleiter sind dort nicht vertreten. In etwa 60 Betrieben gibt es aber Überschneidungen. Die DB muss nun etwa anhand von Betriebsratswahlen ermitteln, welche Gewerkschaft im jeweiligen Betrieb dominanter ist. Direkte Befragungen von Mitarbeitern sind untersagt. Allein diese Ermittlung dürfte Klagen provozieren.