Medienbericht: S-Bahn Berlin macht Fahrgäste mit unlesbarer Ticket-Chipkarte zu Schwarzfahrern


Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 2.500 Fahrgäste der Berliner S-Bahn aufgefordert, ein erhöhtes Beförderungsentgelt von 60 Euro zu zahlen, weil der Chip ihres elektronischen Tickets bei der Fahrscheinkontrolle defekt oder nicht lesbar war.

Wie der Tagesspiegel kürzlich berichtete, soll mit dieser Maßnahme möglicherweise Druck auf die Fahrgäste erzeugt werden, sich rasch um eine neue, funktionierende Karte zu kümmern. Juristen halten dieses Vorgehen allerdings für fragwürdig, schreibt die Zeitung. Denn wer Geld fordere, ohne dass es geschuldet werde, könne sich unter Umständen wegen Betruges strafbar machen. Für die S-Bahn diene die pauschal erhobene Forderung „zu Dokumentationszwecken und zur nachträglichen Regulierung“, zitiert der Tagesspiegel aus einer Antwort des Unternehmens. Die Berliner Senatsverkehrsverwaltung hält das strenge Vorgehen unterdessen für „tarifkonform“, begründete diese Ansicht gegenüber der Zeitung aber nicht weiter. Erscheinen Betroffene in einem der S-Bahn-Kundenzentren, würde die Forderung entfallen.

Laut Geschäftsbedingungen des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) soll das Personal bei der Fahrscheinkontrolle die defekte Karte eigentlich einziehen oder einen „Prüfbeleg“ ausstellen. Kunden müssen die defekte Karte binnen sieben Tagen vorlegen und erhalten eine neue.

Offen ist dem Bericht zufolge, ob Fahrgäste mit defekten Zeitkarten die 60 Euro bezahlt haben, weil sie sich von „Feststellungsbeleg“ und den Inkasso-Schreiben mit der darin erhobenen „Gesamtforderung“ einschüchtern ließen.


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