EVG-Chef Hommel: GDL spielt auch zukünftig „keine große Rolle“


Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Klaus-Dieter Hommel, zeigt sich überzeugt, dass die konkurrierende Lokführergewerkschaft GDL für seine Organisation auch zukünftig „keine große Rolle“ spielen werde.

Im Interview mit der SPD-Zeitung Vorwärts kritisierte Hommel die Art und Weise, wie die GDL zurzeit Politik mache. Das habe mit „Gewerkschaftsarbeit nichts zu tun“, betonte er. Die streiterprobte Konkurrenzgewerkschaft fordert im aktuellen Tarifstreit mit der Deutschen Bahn 4,8 Prozent mehr Gehalt und eine Corona-Prämie von 1.300 Euro – für den verschuldeten Staatskonzern in der derzeitigen Krise „völlig realitätsfern.“ „Mein Eindruck ist, dass der GDL die Ergebnisse der aktuellen Tarifrunde vollkommen egal sind. Es muss nur höher sein als der Abschluss der EVG im vorigen Herbst“, sagte Hommel, der mit der Bahn eine nur geringe Lohnsteigerung in Höhe des Inflationsausgleichs von maximal 1,5 Prozent vereinbart hat. Der 63-Jährige ist sich sicher, dass die Tarifverträge seiner EVG auch künftig in mehr als 90 Prozent aller DB-Betriebe gelten werden.


Der Gewerkschaftler betonte außerdem, dass es ein „Vor-Corona“ im Bahnverkehr nicht geben werde. Denn viele Menschen hätten in der Corona-Zeit gelernt, dass Dienstreisen nicht immer nötig seien, sondern manchmal vielleicht auch Videokonferenzen ausreichten. „Das hat auch Auswirkungen auf das private Reisen. Die Bahn muss sich deshalb dringend neue Geschäftsmodelle überlegen“, sagte er. Der DB-Konzern sollte die Mobilität daher „viel breiter begreifen als bisher und z.B. auch die Zeit vor, während und nach der Zugfahrt organisieren, etwa wenn ein Fahrgast vom Bahnhof noch weiter auf ein Dorf fahren muss, wo gar kein Zug fährt.“ Hommel spricht sich damit für eine deutliche Vernetzung mit anderen Verkehrsträgern aus – auch wenn die Eisenbahn Kernstück eines modernen Mobilitätssystems bleibe.


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Sinn mache laut Hommel auch der geplante Deutschlandtakt, der bis 2030 weitestgehend umgesetzt werden soll. Allerdings bezeichnete er es als „Unsinn und hochgefährlich“, wenn Politiker wie Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) erklärten, dass der Deutschlandtakt mit der Einführung des 30-Minuten-Takts zwischen Berlin und Hamburg bereits begonnen habe. Hier werde die Öffentlichkeit „über den aktuellen Stand der Umsetzung getäuscht“, betonte der 63-Jährige. „Den Menschen wird eine Hoffnung gemacht, die nur enttäuscht werden kann.“ Denn, ein Halbstundentakt mit ICE-Zügen allein „hat mit dem System des Deutschlandtaktes nichts zu tun.“


| Titelfoto: Jürgen Heinrich / Imago |