GDL-Chef Weselsky spricht sich für Personalabbau im DB-Konzern aus


Der Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, lehnt einen Kündigungsschutz für bestimmte Bereiche bei der Deutschen Bahn ab und fordert sogar einen Personalabbau.

Gegenüber dem Tagesspiegel sagte er: „Im Personalbereich hat die Bahn viel zu viele Leute an Bord, die machen vor allem Projekte zur Selbstbeschäftigung, mindestens die Hälfte davon ist verzichtbar.“ Auch in der allgemeinen Verwaltung würden sich viele in gut geheizten Büros oder im Homeoffice im Kreis drehen, „während die Kolleginnen und Kollegen im direkten Bereich den Laden auch in der Pandemie am Laufen halten“, betonte Weselsky. Alles in allem „brauchen wir keinen Kündigungsschutz für den viel zu großen Wasserkopf und für Projekte, die mit der Eisenbahn nichts zu tun haben.“


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Außerdem äußerte sich der GDL-Chef zum aktuellen Tarifkonflikt und zu den Sparmaßnahmen, die der Staatskonzern bereits mit der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) vereinbart hat und auch von der GDL fordert. „Auf den Trick fallen wir nicht rein“, sagte Weselsky. Seine Gewerkschaft habe bundesweit 54 Tarifpartner, „doch keiner klagt so laut über die Folgen der Pandemie wie die DB. Dabei war der Konzern schon vor Corona marode.“

Auch die GDL werde sich laut Weselsky einem Sanierungsbeitrag nicht verschließen, doch es gebe keinen Sanierungsplan. „Kein Manager der Bahn hat eine Vorstellung von der Zukunft. Außer bunten Powerpoint-Folien und rosigen Versprechungen ist da nichts“, kritisierte er die Führung des Staatskonzerns. „Die Misere des Konzerns ist nicht von den Eisenbahnern herbeigeführt worden, sondern vom Management, das sich verzockt hat, weltweit Tanzen geht und von der Eisenbahn hierzulande keine Ahnung hat“, sagte Weselsky dem Tagesspiegel. Corona habe für die direkt im Fahrbetrieb Beschäftigten sogar eine positive Seite, meinte der Gewerkschaftschef. „Viele unsere Kollegen sagen, die schönste Zeit haben wir jetzt in der Pandemie: Wir können endlich mal in Ruhe arbeiten, weil die, die uns sonst auf den Zeiger gehen, jetzt im Homeoffice sitzen und so tun, als würden sie etwas tun.“


| Titelfoto: Christian Spicker / Imago |