Nach Felsrutsch im Mittelrheintal: Bahn kündigt Sprengung an


Weil noch tausende Tonnen Gestein bei Kestert am Steilhang gelockert hängen, ist für den heutigen Samstag eine Sprengung angekündigt. Dabei sollen rund 1.500 Kubikmeter lockerer Fels am Hang gezielt gelöst werden.

Für die Sprengung, die voraussichtlich am Mittag bzw. frühen Nachmittag erfolgen soll, muss ein größerer Sicherheitsbereich voll gesperrt werden. Davon betroffen sei auch die gegenüberliegende linksrheinische Bahnstrecke, die Rheinschifffahrt und der Straßenverkehr der Bundesstraße 9 bei Hirzenach. Bereits am Donnerstag hatten Sprengexperten damit begonnen, Löcher mit einer Tiefe von bis zu vier Metern in den Fels oberhalb der gesperrten Bahnstrecke zu bohren.

Sobald die Sprengung erfolgt ist, soll der Hang beräumt und stabilisiert werden. Damit die mitunter tonnenschweren Felsbrocken abgetragen und zerkleinert werden können, setzt die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben unter anderem einen 12-Tonnen-Schreitbagger ein. Das Gerät kann seine Räder jeweils einzeln bewegen, drehen oder heben und so topographische Herausforderungen gut bewältigen, erklärte eine Bahnsprecherin.

Eine verlässliche Prognose zur Befahrbarkeit der Strecke ist laut der Bahn voraussichtlich Anfang der kommenden Woche möglich. Voraussetzung sei, dass der auf etwa einhundert Metern von Gestein bedeckte Streckenabschnitt vollständig vom Geröll befreit ist und die Experten das Ausmaß der Schäden an der Infrastruktur beurteilen können. Die Bahnstrecke zwischen Loreley und Kamp-Bornhofen bleibt daher zunächst weiter in beiden Richtungen gesperrt.

Felsplatten und Geröll waren am vergangenen Montag auf die Gleise der rechtsrheinischen Bahnstrecke gerutscht; auch der Straßenverkehr auf der parallel verlaufenden Bundesstraße 42 ist seither unterbrochen. Vermutet wird, dass starke Regenfälle den Felsrutsch ausgelöst haben. Es mehren sich aber auch Stimmen, die eine mögliche Ursache in den Erschütterungen durch die schweren Güterzüge sehen.

Laut der Bahnsprecherin könne der Güterverkehr trotz der rechtsseitigen Streckensperrung „stabil“ gefahren werden. Die Güterzüge würden derzeit linksrheinisch über Bingen oder weiträumig zum Beispiel über die Sieg- und Moselstrecke umgeleitet. Für den Nahverkehr hat das Bahnunternehmen VIAS Ersatzverkehre mit Bussen organisiert. Fernverkehrszüge sind auf der gesperrten Strecke nicht unterwegs.


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