„Europäisches Jahr der Schiene“ feierlich eingeläutet


Die Europäische Kommission und die portugiesische Ratspräsidentschaft haben am Montag in Lissabon das „Europäische Jahr der Schiene“ feierlich eingeläutet.

Die EU hat das Jahr 2021 zum „European Year of Rail“ ausgerufen – um mehr Menschen zum Umstieg auf die Bahn zu bewegen und mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu bringen. Gerade jetzt, wo alle Bahngesellschaften wegen der Corona-Krise große Verluste hinnehmen müssten, sei dieses europäische Jahr so wichtig, „denn es ist ein klares Bekenntnis zur Schiene und zeigt: Wenn es um Klima- und Umweltschutz geht, sind wir unschlagbar“, schrieb Bahnchef Richard Lutz am Montag auf der Business Plattform LinkedIn. Das „European Year of Rail“ sei aber auch ein Statement gegen Grenzen im vereinten Europa und ein Zeichen für mehr Miteinander, so Lutz.

„Das Europäische Jahr der Schiene ist ein starkes Signal der Europäischen Union und der europäischen Mitgliedsstaaten für die Bedeutung des Bahnsektors in der Mobilitätswende“, betonte auch der Chef der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), Andreas Matthä. „Nur durch eine konsequente Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene und den Ausbau des internationalen Schienenpersonenfernverkehrs kann Europa seine Klimaziele erreichen und den europäischen Green Deal zu einem Gesamterfolg machen.“ Die ÖBB wollen im Mobilitätsbereich bereits 2030 klimaneutral sein, europaweit wird dieses Ziel für 2050 angestrebt.

Das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) schlägt vor, dass sich die EU-Kommission und die Verkehrsministerinnen und Verkehrsminister sofort um ein altbekanntes Kernproblem des Güterverkehrs kümmern sollten. Gemeint ist hier die Kranbarkeit von Lkw-Trailern. Laut dem Güterbahnverband sind Sattelauflieger in 95 Prozent aller Fälle so gebaut, dass sie zwar auf der Eisenbahn transportiert, aber aus Stabilitätsgründen nicht verladen werden können. „Technisch ist die notwendige Verstärkung des Rahmens banal, um den Trailer auch mit den üblichen Portalkränen oder Greifstaplern auf Eisenbahnwaggons umsetzen zu können“, sagte NEE-Geschäftsführer Peter Westenberger. Aus geringfügigen Kosten- und Gewichtsgründen werde aber beim Trailerbau auf die Verstärkung verzichtet und die EU habe bisher von gesetzlichen Vorgaben abgesehen, hieß es. Im Ergebnis seien Lkw Tausende von Kilometern quer durch Europa auf den Autobahnen unterwegs, statt im Kombinierten Verkehr den Hauptlauf auf der Schiene zurückzulegen. Mit einem effektiven Förderprogramm sollte die Nachrüstung vorhandener Trailer in Deutschland und anderen EU-Mitgliedstaaten für die schnellere Verkehrsverlagerung auf die Schiene vorangetrieben werden, fordert der Verband.


| Titelfoto: EU |