ARD-Sendung „Report Mainz“: Kritik am Brandschutz in Stuttgart 21-Tunneln


Das Bahn-Projekt Stuttgart 21 könnte sich wegen möglicher Nacharbeiten beim Brandschutz verzögern und teurer werden. Das berichtet das ARD-Politikmagazin „Report Mainz“.

Nach Recherchen der Sendung wurde für die insgesamt 60 Tunnel-Kilometer die Evakuierung der Fahrgäste bei einem Brand nicht digital simuliert. Das gehe aus einem Schreiben von Anwälten der Bahn an das Eisenbahn-Bundesamt hervor. Die Bahn habe lediglich ein so genanntes „Kalt-Ereignis“ simuliert, bei dem ein nicht brennender Zug im Tunnel zum Stehen kommt. Beispielsweise bei einer Entgleisung. Wenn das Szenario eines Tunnelbrandes für Stuttgart 21 nicht durchgespielt worden sei, gehe die Bahn im Ernstfall ein „unkalkulierbares Risiko“ ein, sagte die Brandschutzexpertin Professor Kathrin Grewolls von der Hochschule Regensburg. Außerdem seien Fahrgäste, die in ihrer Mobilität beeinträchtigt sind, für die Simulation nicht berücksichtigt worden. Das betreffe vor allem Familien mit Kindern, ältere und behinderte Menschen. Deshalb seien die von der Bahn genannten Evakuierungszeiten von nur 15 Minuten nicht realistisch, führte Grewolls aus.


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Auch Stuttgart 21-Kritiker, wie zum Beispiel die Gruppe „Ingenieure 22“, halten den Brandschutz für unzureichend. Sie haben deshalb das Eisenbahn-Bundesamt, die zuständige Genehmigungsbehörde von Stuttgart 21, informiert und weitreichende Verbesserungen gefordert. Damit konfrontiert äußert sich die Bahn nur allgemein: Die Stuttgart 21-Tunnel würden „alle strengen Sicherheitsanforderungen“ erfüllen. Außerdem sehe „das einschlägige Regelwerk […] solche Simulationen nicht vor.“ Brandschutzexpertin Grewolls hält dies für eine Regelungslücke. Deshalb sei „hier die Politik“ gefragt. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) dagegen beteuerte, dass „die Sicherheit in Tunneln gewährleistet“ und ein Rettungskonzept bereits „während der Planung mit den zuständigen Stellen abzustimmen“ sei. Zur Regelungslücke sagte er dem Bericht zufolge nichts.


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Ob es wegen des Brandschutzes zu teuren Nachbesserungen und Verzögerungen bei Stuttgart 21 kommen könnte, wollte „Report Mainz“ in der vergangenen Woche bei der Bilanz-Pressekonferenz der Bahn wissen. Die Antwort des zuständigen Vorstandes Ronald Pofalla: „Nach allen Erkenntnissen, die wir haben, werden wir die Neubaustrecke Ende 2022 und Stuttgart 21 Ende 2025 in Betrieb nehmen. Und so haben wir es dem Aufsichtsrat berichtet.“ Brandschutzexpertin Grewolls befürchtet dagegen, dass Stuttgart 21 ein ähnliches Schicksal droht, wie dem Berliner Großflughafen BER: „Dadurch, dass die ganzheitliche Brandschutzplanung noch nicht abgeschlossen ist und auch die Prüfung noch nicht abschließend vorliegt, müssen wir damit rechnen, dass weitere Maßnahmen erforderlich werden. Und die natürlich dazu führen, dass das Projekt teurer wird und dass auch die fristgerechte Fertigstellung von Stuttgart 21 in den Sternen steht.“


| Titelfoto: imagocura |