Siemens-Mobility-Chef: Digitalisierung und autonomer Zug­betrieb sorgen für Effizienz­steigerung


Michael Peter, der Chef des Zugherstellers Siemens Mobility, ist überzeugt, dass die Digitalisierung und der autonome Zugbetrieb eine deutliche Effizienzsteigerung mit sich bringen werden.

Durch die Digitalisierung könne die Kapazität in fast allen Schienennetzwerken der Welt um rund 30 Prozent gesteigert werden, sagte er im Interview mit der Schweizer Zeitung NZZ am Sonntag. Laut Peter könnten automatisch fahrende Züge bei Durchfahrten, die heute 2 Minuten dauerten, 30 oder 40 Sekunden einsparen. Dadurch würden mehr Züge durch die Nadelöhre passen. „Wenn Züge automatisch fahren, berechnet das System, wann zum Beispiel ein Güterzug bei einem Knotenpunkt eintreffen muss, damit er diesen ohne Stopp durchfahren kann. Dann bringt die Elektronik den Zug auf die optimale Geschwindigkeit. Weil er nicht anhalten muss, verursacht er keinen Stau auf den Schienen. Und weil fahrerlose Züge nicht dauernd bremsen und beschleunigen, sparen sie auch bis zu 30 Prozent Energie“, so der Siemens-Mobility-Chef.

Sicherheit müsse in allen Systemen an erster Stelle stehen. „Ein Mensch kann aber nicht schneller bremsen als ein automatischer Zug. Es gibt heute Sensoren, die ähnlich genau sind wie das menschliche Auge“, erklärte er. Lokführer hält er dennoch nicht gänzlich für überflüssig. Sie könnten dann andere Aufgaben übernehmen, beispielsweise als „Ansprech- und Kontrollperson“ im Zug, so Peter.

Auch im Gespräch mit dem Internetportal Futurezone machte der Siemens-Mobility-Chef bereits deutlich, dass sich die Politik für ein verbessertes Zulassungsverfahren für Züge stark machen sollte. Dass Zughersteller sich in jedem Staat an spezifische Vorgaben halten müssten, sei ein klarer Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Verkehrsmitteln. Um den grenzüberschreitenden Zugverkehr in ganz Europa zu vereinfachen, seien zudem noch einige Weichenstellungen bei der Infrastruktur notwendig. Das Zugbeeinflussungssystem ETCS müsse etwa flächendeckend zum Einsatz kommen.

Magnetschwebebahnen (Maglev), wie sie in Fernost errichtet werden, seien für Siemens unterdessen kein Thema. „Unsere Velaro-Novo-Züge können 360 km/h erreichen. Noch schneller zu fahren, macht keinen Sinn“, sagte Peter. „Wir sind der Meinung, dass ein Maglev die Probleme in Europa nicht löst.“ Durch die kleinteiligere Struktur seien 500 km/h und mehr im europäischen Bahnnetz unnötig. Dazu kämen Nachteile wie hoher Energieverbrauch und hoher Verschleiß von Zügen und Schienen. Die meisten Bahnunternehmen wollten, so Peter weiter, ohnehin nicht mehr als 250 km/h schnell fahren.


| Titelfoto: Siemens Mobility |