Täter nach Sabotage an ICE-Schnellfahrstrecke zu Haftstrafe verurteilt


Rund ein Jahr nach einer Sabotage an der ICE-Schnellfahrstrecke zwischen Frankfurt (Main) und Köln ist am Montag der Täter zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Der 52-jährige Mann, der Mitte März 2020 bei Niedernhausen in Hessen auf einer Länge von 80 Meter über 250 Schienenschrauben gelöst hatte, muss wegen versuchten Mordes für neun Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Der Täter wollte durch seine Aktion einen Zug zur Entgleisung bringen. Bis zwei ICE-Lokführern am 20. März 2020 bei hohen Geschwindigkeiten die gefährliche Stelle durch ein ungewöhnliches Fahrverhalten auffiel, war der Abschnitt bereits von über 400 Zügen durchfahren worden. Laut einem Gutachter hätte es nur fünf bis 30 weitere Züge gebraucht, bis es wohl zu einer Entgleisung gekommen wäre.

Schon Jahre zuvor hatte der Mann mehrmals unter anderem an das Bundeskanzleramt Briefe verschickt und behauptet, dass eine islamistische Terrorzelle Anschläge auf den Bahnverkehr vorbereiten würde. Um die Anschläge zu verhindern, habe er unter anderem 88,385 Milliarden Euro zuzüglich lebenslanges kostenloses Bahnfahren sowie diverse „weibliche Gespielinnen“ gefordert. Da er allerdings auf kein einziges seiner Schreiben eine Antwort erhielt, wollte er mit der Tat nach Überzeugung des Landgerichts seinen Forderungen Nachdruck verleihen.


LESEN SIE AUCH

Wie im Rahmen des Gerichtsverfahrens bekannt wurde, hatte der 52-Jährige im Internet recherchiert, wie Gleisarbeiten ausgeführt werden und wann auf der Strecke Züge fahren würden. Für die Tatausführung hatte er sich unter falschem Namen in einem Hotel in der Nähe einquartiert und die nächtliche Ruhe ohne Zugverkehr genutzt, um am Gleis mit einem großen Vierkantschlüssel die Schrauben zu lösen.

Dem Richter zufolge müssen dem Mann die Konsequenzen seines Tuns klar gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von 13 Jahren gefordert, die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Der Verurteilte ist bereits mehrfach vorbestraft gewesen.


| Titelfoto: EVN / Jens Rohde (Symbolbild) |