DB-Digitalchefin Jeschke: Künstliche Intelligenz leistet riesigen Beitrag zur Mobilitätswende


Die scheidende Technik- und Digitalvorständin der Deutschen Bahn, Sabina Jeschke, rechnet damit, dass das Thema künstliche Intelligenz, kurz KI, in Zukunft einen „riesigen Beitrag zur Mobilitätswende“ leisten wird.

Durch die fortschreitende Entwicklung der Technologie sollen künftig 30 Prozent mehr Züge auf dem 33.000 Kilometer langen Streckennetz der Deutschen Bahn verkehren können. Erreicht werde dies durch die Verringerung der Abstände zwischen den Zügen. Ziel ist es dabei, von den heute üblichen, ortsfesten Blockabschnitten wegzukommen. Die einzelnen Züge könnten dann – unter Beachtung des notwendigen Sicherheitsabstands – besser aufeinander folgen. „Wenn sie es schaffen, dass sich diese Züge gegenseitig wahrnehmen, auch die Infrastruktur die Züge wahrnimmt, dann können Sie die Züge natürlich viel viel direkter hintereinander positionieren“, erklärte Jeschke kürzlich im neuen FAZ-Podcast „Künstliche Intelligenz“. 


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Wie Jeschke verriet, sollen vor allem in den stark ausgelasteten Bahnknoten neue Technolo­gien zum Einsatz kommen, um schon in einigen Jahren auch für die Fahrgäste spürbare Verbesserungen zu erzielen. Ein weiteres Anwendungsgebiet für KI sind laut der Technik­chefin unter anderem Sensoren an Weichen, um so den Zustand aus der Ferne besser zu überwachen und bei Problemen schneller Reparaturen vorzunehmen. Auch in der Fahrzeug­instandhaltung kommen Systeme zum Einsatz, die Beschädigungen oder fehlende Teile an Zügen mithilfe von Videotechnik automatisch erkennen.


Ab wann Züge komplett autonom fahren können – ohne Lokführer, wisse Jeschke nicht. Allerdings sei klar, dass eine Umsetzung im Rangierdienst wohl eher wahrscheinlich ist als im Hochgeschwindigkeitsverkehr mit 300 km/h. Außerdem würden Züge „typischerweise 30 Jahre alt“. Eine Umrüstung sei daher nicht ohne weiteres bei allen Fahrzeugen möglich. Ein weiterer Aspekt, der das Nachdenken über autonomes Fahren erforderlich mache, sei der demografische Wandel. Die Frage sei daher nicht nur, „wann können wir eigentlich was“, sondern „stehen uns in den nächsten fünf, sieben oder zehn Jahren überhaupt genug Menschen zur Verfügung, die die Berufstätigkeiten des Busfahrers, des Lokomotivführers, des Rangierers in den Werken machen? – Mutmaßlich nicht“, so Jeschke. Mehr Betrieb sei aber notwendig, um die angestrebten Fahrgastzahlen zu erreichen und so die Klimawende zu unterstützen.


| Titelfoto: Pixabay / DB AG  | aktualisiert