GDL-Chef: Selbstbedienungsmentalität an der Bahn-Spitze muss aufhören


Vor dem Auftakt der aktuellen Tarifrunde hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotiv­führer (GDL) ein Ende der Selbstbedienungsmentalität an der Spitze der Deutschen Bahn gefordert.

„Millionen für Vorstände und Führungskräfte bei gleichzeitiger Wegnahme von Brotkrumen bei den operativen Eisenbahnern – das wird es mit uns nicht geben“, sagte der GDL-Bundes­vorsitzende Claus Weselsky am Donnerstag in Berlin.

Trotz hartem Sanierungskurs und einer Rekordverschuldung von rund 30 Milliarden Euro hätten rund 3.500 Bahn-Führungskräfte für das Jahr 2020 ihre Boni, wenn auch eingekürzt, erhalten. Der parallel dazu erklärte Verzicht des Konzernvorstands auf die variablen Bezüge gelte nur für das Jahr 2020, merkte die Lokführergewerkschaft an. Zuletzt war außerdem eine zehnprozentige Steigerung des Fixlohns für drei Bahnmanager im Gespräch – die Entscheidung wurde vertagt.


LESEN SIE AUCH

Für die GDL sei es unverständlich, dass dem direkten Personal zugleich eingeredet werde, wegen der Corona-Pandemie den Gürtel enger zu schnallen. „Ein Ansinnen, dass die EVG mit dem Abschluss ihres Tarifvertrages umgehend eingelöst hat: 1,5 Prozent Entgelterhöhung über eine Laufzeit von 28 Monaten bedeuten ein reales Minus bei den Einkommen der Beschäftigten“, hieß es in einer Mitteilung der Gewerkschaft.

„Die GDL wird nicht zulassen, dass unsere Kollegen mit einem Sanierungstarifvertrag mit Reallohnverlust abgespeist werden“, sagte Weselsky. Die Beschäftigten hätten den Verkehr auf der Schiene rund um die Uhr „selbst in der schlimmsten Corona-Krise sicher und zuverlässig aufrechterhalten“ – und täten dies immer noch. „Als Abschlussbedingung fordern wir daher in einem Sanierungstarifvertrag einen mehrjährigen Verzicht auf die Boni für diese 3.500 Führungskräfte, einschließlich des Konzernvorstandes. Einkommenserhöhungen dürfen in diesem Zeitraum ausschließlich in der gleichen Höhe wie bei den direkten Beschäftigten erfolgen“, so der GDL-Chef.


LESEN SIE AUCH

Die Lokführergewerkschaft fordert im Zuge der Öffnung für neue Berufsgruppen einen Eisenbahn-Flächentarifvertrag (EFTV) 2 mit einer Entgelterhöhung um 4,8 Prozent, rückwirkend zum 1. März 2021, sowie eine Corona-Prämie von 1.300 Euro. Dieser Tarifvertrag solle bei der Deutschen Bahn neben dem Zugpersonal auch für die Arbeitnehmer der Fahrzeuginstandhaltung, des Netzbetriebs und für die Fahrweginstandhaltung gelten, erklärte die GDL.

Auch sollte sich die Bahn endlich wieder „auf das Kerngeschäft in Deutschland besinnen“, sagte Weselsky, „statt sich die Taschen vollzustopfen, Milliarden in Leuchtturmprojekten wie Stuttgart 21 und weltweiten bahnfernen Engagements zu verbrennen.“ Das Eisenbahnsystem in Deutschland müsse besser werden, betonte er und fügte hinzu, dass es ein „Weiter so“ nicht geben dürfe.


| Titelfoto: Reiner Zensen / Imago |