Boni für Bahn-Vorstände sollen gestrichen werden


Wie aus einem Beschluss des Haushaltsausschusses des Bundestages hervorgeht, sollen die Bonuszahlungen an die Konzernspitze der Deutschen Bahn im Gegenzug für die geplanten Corona-Hilfen des Bundes für das laufende Jahr gestrichen werden.

Die Bahnmanager werden laut dem Beschluss aufgefordert, auf variable Vergütungen oder vergleichbare Vergütungsbestandteile, Sonderzahlungen, Erfolgsbeteiligungen oder andere gesonderte Vergütungen im Jahr 2022 für das Geschäftsjahr 2021 zu verzichten. Das berichten mehrere Medien. Angesichts der Corona-Krise hatte der Konzernvorstand für das vergangene Jahr ebenfalls auf seine Boni verzichten müssen.

Es stehe außer Frage, dass der Bahn-Vorstand angesichts der Milliarden-Hilfe nicht auch noch Boni bekommen darf, sagte der haushaltspolitische Sprecher der Grünen-Bundestags­fraktion, Sven-Christian Kindler, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Nach seiner Ansicht müssten die Bonus-Regelungen für die Zeit nach Corona grundsätzlich überarbeitet und reduziert werden. Die Bundesregierung müsse generell für eine Vorstandsvergütung mit Maß und Mitte bei der Bahn sorgen. Es könne nicht sein, dass im Bahn-Vorstand die variable Vergütung, also die Bonuszahlungen, in den letzten Jahren vor Corona ähnlich hoch gewesen sei wie das feste Gehalt. „Da ist was grundsätzlich aus der Spur geraten“, so Kindler.


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Die Bahn müsse bis 2030 die Fahrgastzahlen verdoppeln und die Qualität des Angebots ausbauen und verbessern. „Daran sollte der Vorstand gemessen und entsprechend vergütet werden. Das jetzige Einfrieren der Boni ist die ideale Gelegenheit für eine Reformierung der Vergütungsregelungen für den Bahn-Vorstand“, führte der Grünen-Politiker weiter aus.

Bei den Verhandlungen zwischen der Bundesregierung und der EU-Kommission über milliardenschwere Finanzhilfen für die Deutsche Bahn befindet man sich offenbar auf der Zielgeraden. Anders als zunächst geplant, werde aber eine „Branchenlösung“ angestrebt – von der nicht nur der Staatskonzern, sondern auch die Wettbewerber profitieren sollen.


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Im Zentrum stehe dabei eine Senkung von Trassenpreisen etwa im Schienengüterverkehr. Dies sei nun entsprechend im geplanten Nachtragshaushalt des Bundes für 2021 hinterlegt, hieß es. Bei der geplanten Eigenkapitalerhöhung des Bundes für die Deutsche Bahn soll es im Gegenzug keine Wettbewerbsauflagen für den Konzern mehr geben. Angestrebt werde eine „Bausteinlösung“ im Umfang von insgesamt rund fünf Milliarden Euro.

Die Deutsche Bahn verzeichnete im vergangenen Jahr einen Verlust von 5,7 Milliarden Euro. Schuld am schlechtesten Jahresergebnis in der Unternehmensgeschichte war vor allem die Corona-Krise und der damit verbundene Einbruch bei den Fahrgastzahlen.


| Titelfoto: Imago / Reiner Zensen |