Führungskräfte von Bahn-Tochtergesellschaften halten an Bonuszahlung fest


Rund 70 Führungskräfte von Tochtergesellschaften der Deutschen Bahn beharren trotz der Corona-Krise und der wirtschaftlich schwierigen Lage des DB-Konzerns offenbar auf große Teile ihrer Bonuszahlung.

Vorstände und Geschäftsführer von rund zwei Dutzend DB-Tochtergesellschaften bestehen laut einem Bericht des SPIEGEL auf ihre Erfolgsbeteiligung für das Jahr 2020 – auch gegen alle Widerstände. Sie sollen nun gut die Hälfte ihrer Prämie ausbezahlt bekommen – und Aufsichtsratschefs wie beispielsweise Ronald Pofalla (DB Netz AG) machten dies mit ihrem doppelten Stimmrecht möglich, berichtet das Nachrichtenmagazin.

Bei den Gewerkschaften kommt das gesamte Vorgehen der Arbeitgeberseite nicht gut an. Bei der Auszahlung von Boni an Vorstände „nach Drohgebärden auch noch die Doppel­stimme zu ziehen, ist unglaublich“, empört sich Cosima Ingenschay, Vorstandsmitglied der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Hier seien „Augenhöhe und Augenmaß verloren gegangen, die es braucht, um Krisen sozialpartnerschaftlich zu meistern“, sagte sie dem SPIEGEL.


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Der Bahn-Vorstand hatte die Boni-Gegner laut dem Bericht zuletzt mit einem eigenen Rechtsgutachten unter Druck gesetzt. Dieses sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Manager trotz der angespannten Geschäftslage auch in der Krise Anspruch auf das Geld hätten – Kürzungen seien unzulässig. Das Bundesverkehrsministerium befürchtete gar eine Klagewelle. Außerdem sei mit einer persönlichen Haftung der Aufsichtsräte gedroht worden.

Die Höhe der Bonuszahlung liegt je nach Bedeutung der Manager und ihrer Sparte für den Konzern bei bis zu einigen Hunderttausend Euro zuzüglich zum Festgehalt von bis zu einer halben Million Euro.

Im kommenden Jahr soll es dieses Problem nicht mehr geben. Am Mittwoch wurde vom Haushaltsausschuss des Bundestages beschlossen, dass Vorstandsmitglieder der Deutschen Bahn sowie ihre Töchter ab dem Geschäftsjahr 2021 auf Boni verzichten müssen, solange die Unternehmen Corona-Hilfen erhalten.


| Titelfoto: Imago / STPP |