Schweizer Zughersteller fürchtet Industriespionage in Deutschland


Der Schienenfahrzeughersteller Stadler befürchtet, dass seine Betriebsgeheimnisse in fremde Hände geraten könnten.

Man betrachte es mit Sorge, dass die deutsche Tochtergesellschaft des russischen Konkurrenten Transmashholding (TMH) in Zukunft die Wartung der Regionalzüge für den Bahnbetreiber Go-Ahead Bayern übernehme, sagte ein Unternehmenssprecher gegenüber der Welt am Sonntag. „Besonders kritisch sehen wir dabei, dass es sich hier um russische Wettbewerber handelt, die in den europäischen Markt drängen und so Zugang zu geschützter und dem Betriebsgeheimnis unterliegender Technologie erhalten könnten“, erklärte der Sprecher.

Der britische Betreiber Go-Ahead widersprach der Befürchtung, wollte die Sache aber nicht näher kommentieren, hieß es. TMH wies laut der Zeitung darauf hin, dass die Zughersteller dem Betreiber für die Wartung der Züge die zugehörigen Wartungshandbücher zur Verfügung stellen müssen. Dies sei gängige Praxis in der Bahnindustrie. Außerdem enthielten diese Dokumente „keine technischen Zeichnungen oder Ähnliches, die es erlauben, den Zug neu zu konstruieren und zu bauen“, wird eine TMH-Sprecherin zitiert.


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Für die künftige Instandhaltung der Fahrzeugflotte baut TMH Germany derzeit ein neues Depot in Langweid bei Augsburg. Insgesamt sollen dort 56 Züge von Hersteller Siemens – davon 44 dreiteilige Mireo und 12 fünfteilige Desiro HC – sowie 22 Flirt von Stadler repariert und gewartet werden.

Ab Dezember 2021 wird Go-Ahead Bayern den Zugbetrieb von München über Memmingen nach Lindau im Auftrag der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) und des baden-württembergischen Verkehrsministeriums übernehmen. Ein Jahr später kommt der Regionalverkehr rund um Augsburg mit den Strecken nach München, Ulm, Donauwörth und weiter bis Aalen und Würzburg hinzu.


| Titelfoto: Imago / Jürgen Heinrich |