Go-Ahead Bayern: Betriebsstart möglicherweise ohne Stadler-Züge


Die Beauftragung des Wartungsdienstleisters TMH International (TMHI) durch den Bahnbetreiber Go-Ahead Bayern sorgt für Differenzen mit Zughersteller Stadler.

Der Schweizer Schienenfahrzeugbauer Stadler fürchtet um seine Betriebsgeheimnisse. Streitpunkt ist, dass das konkurrierende Eisenbahntechnologieunternehmen TMHI die Wartung der Zugflotte von Go-Ahead Bayern übernehmen soll. Wie Stadler mitteilt, sei TMHI aber ein Unternehmen, das ebenfalls in der Entwicklung, Produktion und Instandhaltung von Schienenfahrzeugen tätig ist. Zwar sei die Instandhaltung von Schienenfahrzeugen durch Dritte in Deutschland üblich, dies aber nur, sofern sie reine Wartungsunternehmen und nicht gleichzeitig in der Entwicklung und Fertigung von Zügen tätig seien, erklärt der Schweizer Konzern. Man erwarte, dass Go-Ahead „die vertraglichen Vereinbarungen einhält“. Der bestehende Vertrag untersage, „die Wartungsleistungen an einen Wettbewerber von Stadler zu vergeben.“

TMHI gehört zur russischen Transmash-Gruppe, einem großen, international aufgestellten Eisenbahndienstleister. Gegenüber der Welt am Sonntag hatte ein Stadler-Sprecher bereits die Befürchtung geäußert, dass dem Wettbewerber durch die Wartung der Züge so geschützte und dem Betriebsgeheimnis unterliegende Technologiegeheimnisse in die Hände fallen könnten.


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Wie der Bahnbetreiber zuvor in einer Mitteilung bekannt gab, sei es aus Sicht von Go-Ahead „unverständlich, dass Stadler die Züge und die dazugehörigen Wartungsdokumente nicht wie vertraglich vereinbart übergeben will.“ Aufgrund des Streits zieht Go-Ahead nun auch den Einsatz von Ersatzverkehren in Erwägung. Stadler wiederrum betont, dass die bestellten 22 Fahrzeuge für das E-Netz Allgäu vertragsgemäß hergestellt worden seien. Darüber hinaus läge die Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt bereits vor; die Züge seien vorzeitig betriebsbereit.

Ob beide Unternehmen in weiteren Gesprächen zu einer Lösung finden, bleibt nun abzuwarten. Immerhin betonen sowohl Stadler als auch Go-Ahead, weiter an einer Einigung zu arbeiten.


| Foto: Stadler |