Eisenbahngewerkschaft fordert schnellere Erfassung von Übergriffen auf Bahnbeschäftigte

Zugbegleiterinnen der DB AG auf einem Bahnsteig | Foto: Imago / Ralph Peters

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) fordert eine schnellere und einfachere Erfassung von Übergriffen gegen Mitarbeitende von Bus- und Bahnunternehmen.

„Das Ziel muss es sein, bei allen Verkehrsunternehmen ein standardisiertes Notfall­management und ein modernes Meldewesen per App auf dem Diensttelefon zu realisieren“, sagte EVG-Vorstand Kristian Loroch am Sonntag. Zudem fehle es an Nachsorgekonzepten. Durch standardisierte Verfahren wären Meldedaten endlich untereinander vergleichbar und würden in der gesamten Branche zu mehr Transparenz führen, heißt es von der Gewerkschaft.

Hauptbetroffene von Übergriffen seien in der Regel die Beschäftigten im Regionalverkehr, die Sicherheitskräfte und Prüfdienste. „Nach Zahlen, die uns vorliegen gab es im Jahr 2020 allein bei der Deutschen Bahn mehr als 2000 Fälle von vollendeter Körperverletzung – gut zehn Prozent davon standen in Verbindung mit Corona. Hinzu kommen gut 470 Fälle, bei denen es beim Versuch einer Körperverletzung blieb“, stellte Loroch fest.

Gut 20 Prozent der Beschäftigten seien mit Waffen oder Gegenständen angegriffen worden, dazu zählten neben Glasflaschen und Messern auch Stangen und Steine. Laut den Zahlen der EVG seien vor allem die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Berlin und Hessen von den meisten Übergriffen betroffen, bezogen auf die Bahnhöfe stellten Frankfurt, Hamburg und Berlin besondere Schwerpunkte dar. „Vor diesem Hintergrund begrüßen wir, dass neben Abellio auch die Deutsche Bahn im Regionalverkehr eine spezielle Sicherheitsabfrage per App eingeführt hat, mit deren Hilfe Betroffene Übergriffe schnell und unkompliziert gemeldet werden können.


Durch die App seien bereits „Risikostrecken“ identifiziert worden, auf denen jetzt – im Rahmen eines Pilotprojekts – mehr Sicherheitskräfte eingesetzt werden sollen, erklärt die EVG weiter. „Wir bewerten dies als positiv, fordern aber zum einen, dass der Einsatz von mehr Personal nicht zeitlich befristet werden darf und dass nur geschultes Fachpersonal von DB Sicherheit beauftragt werden darf“, so Loroch.

Ziel der EVG sei es, dass diese Sicherheitsabfrage per App bei der Deutschen Bahn in allen Geschäftsfeldern mit Kundenkontakt genutzt wird. Für den Busbereich bei der DB AG sei dies bereits erreicht worden.

Auch bei allen anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen sollte das Erfassen und Melden von Übergriffen mit elektronischen Hilfsmitteln erleichtert werden, fordert die Gewerkschaft. „Das Problem der Übergriffe ist überall das gleiche, die Lösungsansätze müssen es dann auch sein“, um die Beschäftigten zu schützen, so der EVG-Vorstand.