„Bahn für Alle“ fordert klima- und umweltverträgliche Umsetzung des Deutschlandtakts

Weichenvorfeld eines Bahnhofs | Foto: EVN

Angesichts des Karlsruher Klima-Urteils fordert das Bündnis „Bahn für Alle“, nun endlich auch in der Verkehrspolitik eine radikale Wende zu insgesamt weniger Verkehr und zu einer massiven Verkehrsverlagerung auf die Schiene zu vollziehen.

Das Bündnis aus Umweltschutzorganisationen und Gewerkschaften hält den geplanten Deutschlandtakt im Prinzip für „eine gute Sache.“ Allerdings stünden „wieder einmal Hochgeschwindigkeitsprojekte, ausufernde Tunnelstrecken und Bahnhofsvergrabungen ganz oben auf der Tagesordnung“ des Bundesverkehrsministeriums, beklagte Prof. Wolfgang Hesse von Bahn für Alle. Diese Vorhaben würden aber „eine klimaverträgliche Ausrichtung des Schienenverkehrs“ konterkarieren.

Herausragende Negativ-Beispiele seien die neu geplanten 300 km/h-Rennstrecken Hannover–Bielefeld und Nürnberg–Würzburg mit für den Fahrplan wenig tauglichen Fahrzeiten, die sogenannten Ergänzungsbauten zur Kaschierung des gescheiterten Stuttgarter Bahnprojekts, der in Hamburg geplante sogenannte Ferlemann-Innenstadttunnel sowie ein neuer Tiefbahnhof in Frankfurt am Main.


LESEN SIE AUCH

Oft werde vergessen, dass für den Bau eines Gleiskilometers unter der Erde „so viel Treib­hausgas wie 26.000 Pkw im Jahr“ erzeugt würden. Das Bündnis rechnet vor: „Allein die 20 bis 30 Kilometer zwischen Hannover und Bielefeld, die jeweils 30 Tunnelkilometer auf den Strecken Fulda–Frankfurt am Main und um Rosenheim herum sowie die über 40 Kilometer ‚Ergänzungstunnel‘ zu Stuttgart 21 erzeugen ein CO2-Äquivalent von über 3 Millionen Autos pro Jahr.“

„Ein Deutschlandtakt in dieser Form droht nicht nur zu einem Reizwort bei der Bevölkerung in den betroffenen Regionen zu werden, sondern auch zu einem neuen Klimakiller“, mahnte Hesse. Dazu trage nicht nur der Bau, sondern auch der Betrieb ausufernder Hochgeschwindig­keitsstrecken „mit exponentiell steigendem Energiebedarf bei.“

Der Bund sollte das Karlsruher Urteil ernst nehmen und dafür sorgen, dass der Ausbau der Schieneninfrastruktur den Bedürfnissen der Fahrgäste sowie des Umwelt- und Landschafts­schutzes entsprechen, fordert Bahn für Alle.