Lokführer von Bahnunfall in Niederlahnstein darf keine Züge mehr führen

Unfallstelle nach Güterzugentgleisung im Bahnhof Niederlahnstein | Foto: Rhein-Lahn-Kreis

Der Lokführer des in Niederlahnstein entgleisten Güterzuges darf keine Schienen­fahrzeuge mehr führen. Das Eisenbahn-Bundesamt hatte ihm einige Wochen nach dem Unfall den Triebfahrzeugführerschein entzogen. Das wollte der Mann nicht akzeptieren. 

Die Untersuchungen zum Zugunglück vom 30. August 2020 in Niederlahnstein im Rhein-Lahn-Kreis (Rheinland-Pfalz) sind noch nicht abgeschlossen und die Ursache damit noch nicht abschließend geklärt. Allerdings deutet sehr viel auf ein Fehlverhalten des Lokführers hin. Aus diesem Grund hatte das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) dem Mann bereits im Oktober 2020 mit sofortiger Wirkung die Berechtigung zum Führen von Triebfahrzeugen entzogen. Begründet wurde dies unter anderem mit mehreren Geschwindigkeitsverstößen und einer Signal­verfehlung im Jahr 2019. Demnach soll er im April 2019 während einer Zugfahrt mehrfach die zulässige Höchstgeschwindigkeit um 10 bis 30 km/h überschritten haben. Im August 2020 überschritt er als Lokführer eines mit Gefahrgut beladenen Güterzuges die zulässige Höchst­geschwindigkeit um 17 km/h, erlaubt waren 90 Stundenkilometer.

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Nordrhein-Westfalen bestätigte Anfang März eine frühere Entscheidung des Verwaltungsgerichts Köln, dass die Entziehung des Führerscheins rechtmäßig war. Dem Lokführer fehle es an der erforderlichen Zuverlässigkeit für die Erteilung eines Triebfahrzeugführerscheins, so das OVG. Eine Gesamtwürdigung seines Verhaltens ergebe, dass er die Tätigkeit eines Triebfahrzeugführers in Zukunft nicht ordnungsgemäß ausüben werde. Durch die erheblichen bzw. wiederholten Geschwindigkeitsverstöße habe er sich als unzuverlässig erwiesen. Der Mann soll zudem mehrmals „Selfie-Videos“ mit dem Handy während der Fahrt aufgenommen haben, obwohl sachfremde Nebentätigkeiten zu unterlassen sind.

Am Unfalltag des 30. August 2020 – kurz vor der Entgleisung – war er zudem mit 62 km/h statt der zulässigen 40 km/h in den Weichenbereich des Bahnhofs Niederlahnstein eingefahren. Laut dem Gericht stand damit fest, dass der Lokführer wiederholt eine Geschwindigkeits­überschreitung begangen hatte. Außerdem hatte er am Tag des Unfalls die falsche Zugart ausgewählt. Anhand der vorgegebenen Parameter wie Bremsstellung und Bremshundertstel hätte der verunglückte Güterzug in der unteren (U) statt der mittleren (M) Zugart fahren müssen, was längere Überwachungszeiträume des Zugsicherungssystems PZB für die erforderliche Reduzierung der Fahrtgeschwindigkeit zur Folge hatte. „Eine derartige Verhaltensweise ist mit der sicherheitsrelevanten Verantwortung eines Triebfahrzeugführers nicht zu vereinbaren“, heißt es im Beschluss des OVG. Dabei wiege besonders schwer, dass der Lokführer mit dem Transport von Gefahrgütern betraut war und ihn deshalb eine nochmals gesteigerte Verantwortung für einen sicheren Verlauf der Zugfahrt traf.

Beim Zugunglück in Niederlahnstein waren mehrere mit Diesel beladene Kesselwagen entgleist und ausgelaufen. Rund 180.000 Liter Kraftstoff gelangten so ins Erdreich. Etwa die Hälfte konnte in den darauffolgenden Wochen durch Ausbaggern wieder aus dem Boden entfernt werden. Darüber hinaus hat die Deutsche Bahn weitere Maßnahmen unternommen, um eine Verunreinigung des Grundwassers zu vermeiden. Für die in der Region vertretenden Bürgerinitiativen zu wenig. Sie befürchten mögliche Umweltschäden.