Lahnsteins Oberbürger­­meister fordert Geschwindig­keits­reduzierung für Güter­züge im Mittel­rheintal

Lahnsteins Oberbürgermeister Peter Labonte | Foto: Rhein-Lahn-Kreis / Stadt Lahnstein

Rund neun Monate nach dem Zugunglück in Niederlahnstein (Rheinland-Pfalz) hat Lahnsteins Oberbürgermeister Peter Labonte eine Herabsenkung der Geschwindigkeit für Güterzüge im Mittelrheintal gefordert. Kürzlich war bekannt geworden, dass der Lokführer des Unglückszuges deutlich zu schnell unterwegs gewesen war.

Es könne nicht sein, dass Gefahrgutzüge in diesem eng besiedelten Mittelrheintal „und dann noch mit überhöhter Geschwindigkeit“ fahren können, sagte Labonte im Interview mit dem Regionalsender TV Mittelrhein. Er fordert daher eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 40 oder 50 km/h. Außerdem sollten technische Vorkehrungen zum Einsatz kommen, um eine Überschreitung zu verhindern. Unterstützung findet diese Forderung auch von anderen Kommunen der Region, betonte er. Von Seiten der Bahn habe man dies bislang aufgrund „wirtschaftlicher Erwägungen“ abgelehnt.

Labonte erfuhr erst über die Medien, dass der Lokführer des Gefahrgutzuges vom 30. August 2020 mit 62 statt der erlaubten 40 km/h in den Weichenbereich des Bahnhofs Niederlahnstein eingefahren war. Ob dies letztendlich auch zur Entgleisung führte, steht noch aus. Daher wird der Untersuchungsbericht der Eisenbahnunfallermittler mit Spannung erwartet. Wahrscheinlich im August, ein Jahr nach dem Unglück, wird die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) einen Zwischenbericht veröffentlichen.


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Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) hatte dem Lokführer wegen mehrerer Verfehlungen bereits im Oktober 2020 die Berechtigung zum Führen von Triebfahrzeugen entzogen. Dem Mann wurden mehrere Geschwindigkeitsverstöße und Pflichtverletzungen zur Last gelegt. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Nordrhein-Westfalen hatte im März eine frühere Entscheidung des Verwaltungsgerichts Köln bestätigt, wonach die Entziehung des Führerscheins rechtmäßig war. Auch wenn der Lokführer nach einer Sperrzeit von sechs Monaten erneut einen Triebfahrzeugführerschein beantragen kann, ist unwahrscheinlich, ob diesem stattgegeben wird. Laut dem Beschluss des OVG fehle es dem Lokführer „grundlegend an der Bereitschaft, sich Verhaltensweisen anzueignen, die mit der einem Triebfahrzeugführer zukommenden Sicherheitsverantwortung vereinbar sind. Zumindest aber fehlen ihm elementare Fachkenntnisse in einem derartigen Umfang, dass die Behebung des Mangels im Rahmen einer Nachschulung ausgeschlossen erscheint.“

Beim Zugunglück in Niederlahnstein waren mehrere mit Diesel beladene Kesselwagen entgleist und ausgelaufen. Rund 180.000 Liter Kraftstoff gelangten so ins Erdreich. Etwa die Hälfte konnte in den darauffolgenden Wochen durch Ausbaggern wieder aus dem Boden entfernt werden. Darüber hinaus hat die Deutsche Bahn weitere Maßnahmen unternommen, um eine Verunreinigung des Grundwassers zu vermeiden. Für die in der Region vertretenden Bürgerinitiativen zu wenig. Sie befürchten mögliche Umweltschäden.