EU-Klimakommissar will Ende der Kurzstreckenflüge – Zugreisen sollen attraktiver werden

EU-Klimakommissar Frans Timmermans | Foto: Pixabay / StockSnap / Europäische Union

Die Debatte um ein Ende von Kurzstreckenflügen geht weiter. Nun hat sich auch EU-Klimakommissar Frans Timmermans zu dem Thema eingeschaltet.

„Wir wollen uns befreien von Kurzstreckenflügen, aber nicht mit Verboten oder höheren Preisen“, sagte der Vizepräsident der EU-Kommission den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Wir wollen es so organisieren, dass es für die Leute attraktiver wird, mit dem Zug zu fahren.“

Bei Strecken unter 600 bis 800 Kilometern solle es nicht mehr sinnvoll sein, das Flugzeug zu nehmen – „einfach weil es länger dauert“. Timmermans sprach sich gleichwohl für eine indirekte Verteuerung des Fliegens aus. „Ich bin dafür, dass wir Kerosin so besteuern wie andere Treibstoffe“, sagte er.

Eine Alternative wäre, den Flugverkehr stärker in den Emissionshandel einzubeziehen. „Das führt natürlich dazu, dass Fliegen teurer wird, aber wenn wir gleichzeitig gute und bezahlbare Zugverbindungen mit Schnellzügen oder Nachtzügen bieten, haben die Bürger keine Nachteile.“ Zugleich rief der EU-Kommissar die Bürger dazu auf, die Zahl ihrer Flüge zu reduzieren. „Niemand muss zehn oder zwölfmal im Jahr fliegen“, sagte er. „Wenn man sich einmal pro Jahr eine Flugreise gönnt, entsteht gar kein Problem – weder für das Klima noch für das eigene Portemonnaie.“ Timmermans mahnte, den ökologischen Umbau sozial gerecht zu organisieren. Nur so behalte man die Unterstützung der Bevölkerung.


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„Wenn man ein gutes Einkommen hat und die Energierechnung geht ein bisschen hoch, dann ändert sich sehr wenig für die Leute“, sagte er. „Aber wenn man nicht viel verdient, wenn man eine kleine Rente hat, haben höhere Energiepreise einen unheimlichen Einfluss auf die Lebensqualität.“ Da müsse man aufpassen. Zugleich teilte der Vizepräsident der EU-Kommission mit, seine Gesetzesvorschläge zur Umsetzung der Klimaziele später als erwartet vorzustellen. „Wir werden unseren Entwurf – etwas später als geplant – am 14. Juli vorstellen“, sagte er. „Dann wird alles, was wir machen, gründlich überprüft sein.“

Am Wochenende hatte sich die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock dafür ausgesprochen, Kurzstreckenflüge zu verbieten. Am Montag konkretisierte sie ihre Aussage und gab zu verstehen, „dass es nicht um ein Verbot von Flügen geht, sondern dass wir den Ausbau der Bahn massiv vorantreiben müssen, dass sich Kurzstreckenflüge erübrigen.“ Sie sprach sich auch gegen „Dumpingpreise“ beim Fliegen aus. Ähnlich hatte sich zuvor bereits SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz geäußert. Auch er sprach sich gegen Billigflüge aus. Gegenwind gab es nach den Aussagen unter anderem von Union und FDP. Der Chef der Lufthansa-Tochter Eurowings, Jens Bischof, hatte am Montag angekündigt, weiter an Kurzstreckenflügen festzuhalten.


Mit Material der dts Nachrichtenagentur