Schwertransport der Superlative: Wie 25 Lokomotiven von Kassel in die USA gelangen

Fabrikneue Lok auf dem Weg von Kassel in die USA | Foto: NonstopNews / Norbert Böwing

Bis 2022 liefert der Zugbauer Alstom insgesamt 25 fabrikneue Lokomotiven in die USA aus. Doch bevor die Schienenfahrzeuge ihr Ziel erreichen, müssen 360 Kilometer Straße und rund 6.000 Kilometer Seeweg überwunden werden.

Der Spezialtransport per Tieflader startet in Hessen auf dem Kasseler Betriebsgelände von Alstom (früher Bombardier Transportation). Umrahmt ist die 83 Tonnen schwere Lok von zwei 640 PS-starken Zugmaschinen. Schwertransporte wie dieser sind eine echte Mammutaufgabe und erfordern eine gewaltige Logistik. „Hier geht’s eben um viel, viel mehr“, sagt Markus Frost, Geschäftsführer der Universal Transport Gruppe, die den Transport verantworten. „Hier transportieren wir nicht nur eine Lokomotive bis nach Hamburg, wir bringen sie dann auch noch auf den Seeweg bis nach New Jersey, wo wir sie dann einem Empfänger übergeben und auf Schienen stellen“.

Vorwärts kommt die wertvolle Fracht auf der Straße nur langsam. Und schon auf den ersten Kilometern der Strecke rund um Kassel sind es Brücken, die den Fahrern der Schwertransporte Sorgen bereiten und immer wieder für Verzögerungen sorgen. Lok plus Tieflader bringen es im normalen Fahrbetrieb zusammen auf eine Höhe von 4,50 Metern. Zuviel für viele Brücken, doch der Tieflader lässt sich bis auf wenige Zentimeter über dem Asphalt absenken. Neben Brücken gibt es aber auch andere Hindernisse wie enge Ortsdurchfahrten und Kreisverkehre, die den Transport zu einer Herausforderung machen.

In der Hansestadt angekommen, wird die Lok auf ihre Drehgestelle gesetzt. Für die 12-tägige Reise über die raue See erfolgt zudem eine spezielle Ladungssicherung im Schiff.

Das besondere an den Lokomotiven vom Typ ALP-45 Dual-Power: Im späteren Betrieb können sie sowohl elektrisch oder mit Dieselantrieb fahren – ein Grund, warum sich die New Jersey Transit Corporation (NJ TRANSIT) für die Technik „made in germany“ entschieden hat. „Wir haben bei dieser Lok eine elektrisch installierte Leistung von ca. 5.400 PS, damit fahren wir im Stadtgebiet von New York“, erklärt Thorsten Hölscher, Projektkoordinator bei Alstom. Außerhalb des Stadtgebietes können die Loks mit den Dieselmotoren fahren, die zusammen­genommen ca. 4.400 PS liefern.