DB-Personalvorstand begrüßt Kurswechsel der GDL-Spitze

Lokführer in einem ICE | Foto: DB AG

Personalvorstand Martin Seiler begrüßt, dass sich die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) im aktuellen Tarifstreit nun offenbar auf tarifpolitische Themen konzentrieren will.

Das jüngste Forderungspaket zeige Ansätze, dass „doch noch Lösungen am Verhandlungstisch gefunden werden können“, sagte er. Vorausgegangen war ein Schreiben der GDL vom Pfingstmontag. Demnach wolle die Lokführergewerkschaft im aktuellen Tarifstreit nicht länger über die Vergütung von Führungskräften und über Strukturfragen wie die Zerschlagung der Deutschen Bahn verhandeln. Ursprünglich hatte die Gewerkschaftsspitze beide Themen zur Bedingung für die aktuellen Verhandlungen gemacht. Außerdem verzichte die Gewerkschaft laut einer Bahnsprecherin darauf, die Anwendung ihrer Verträge trotz Tarifeinheitsgesetz auch in Betrieben durchzusetzen, in denen sie nicht die Mehrheit der Mitarbeitenden organisiert.

„Die GDL-Spitze hat nun wohl auch erkannt, dass sie in mancherlei Hinsicht auf einem Irrweg unterwegs war und hat ihren Kurs korrigiert“, zeigte sich Seiler erfreut. Jetzt könne man sich endlich auf die eigentlichen Themen von Tarifverhandlungen konzentrieren. „Allerdings wird sich am Verhandlungstisch zeigen, wie ernst es der GDL-Spitze wirklich ist. Sie muss den Pfad der Vernunft nun fortsetzen und nicht wieder Eigeninteressen in den Vordergrund stellen“, so der Personalchef weiter.


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Das zuletzt von der GDL übermittelte neue Forderungspaket sprenge weiterhin unverändert „den wirtschaftlichen Rahmen und ignoriert weiterhin die Corona-Schäden“, hieß es von Seiten der Bahn. „Es übersteigt das Niveau des jüngsten Tarifabschlusses im Öffentlichen Dienst um rund das Dreifache, denn neben Entgelterhöhung und Corona-Prämie umfasst es zahlreiche weitere kostenwirksame Forderungen“, teilte die Bahnsprecherin mit.

Die Bahn will mit der GDL ein solidarisches Tarifpaket – angelehnt an den Tarifabschluss mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) – vereinbaren. Das erste Angebot vom 17. Mai beinhaltet unter anderem eine geringe Lohnsteigerung von 1,5 Prozent ab dem kommenden Jahr mit einer Laufzeit bis Februar 2023. Die Gewerkschaft hatte dagegen zuletzt unter anderem 4,8 Prozent mehr Geld sowie eine einmalige Corona-Prämie in Höhe von 1.300 Euro gefordert.

Als nicht zielführend bewertet der Staatskonzern die Forderung der Lokführergewerkschaft, Tarifverträge auch für die Infrastrukturbereiche, Werke und seit dem jüngsten Schreiben auch für die Mitarbeitenden der Verwaltung zu verhandeln. Aufgrund des gültigen Tarifeinheitsgesetzes könnten diese in absehbarer Zeit nicht zur Umsetzung kommen, erklärte das Unternehmen. Die GDL-Tarifverträge gelten laut Bahn aktuell für rund 7.500 Beschäftigte, das sind drei Prozent der Belegschaft. “Es ist schon verwunderlich, dass die GDL nun auch diejenigen Mitarbeitenden vertreten möchte, die sie noch bis vor kurzem für ihre ‚Flucht ins Homeoffice‘ kritisiert hat und deren Stellen sie in erheblichem Umfang streichen will“, erklärte Seiler abschließend. Die vierte Verhandlungsrunde soll am 7. Juni in Berlin stattfinden.