30 Jahre Intercity-Express – Mit Hochgeschwindigkeit ins ICE-Zeitalter

Vier ICE-Züge unterschiedlicher Baureihen, vom ICE 1 bis zum ICE 4 | Foto: DB AG / Kai-Michael Neuhold

Genau 30 Jahre ist es her, als die damalige Deutsche Bundesbahn ihr neues Flaggschiff für den Fernverkehr – den Intercity-Express, kurz ICE – auf die Schiene brachte. Seine Entwicklung und der Betrieb waren geprägt von Rekorden und einer Tragödie.

Am 29. Mai 1991 wurde der ICE-Betrieb mit einer Sternfahrt offiziell eingeweiht. Mehrere ICE 1-Züge fuhren dabei von Bonn, Hamburg, Mainz, Stuttgart und München zum neuen Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe. Mit einem symbolischen Startsignal eröffnete Bundespräsident Richard von Weizsäcker den neuen Hochgeschwindigkeitsverkehr, der ab sofort eine Reisegeschwindigkeit von bis zu 280 km/h ermöglichte. Die Inbetriebnahme des fahrplanmäßigen ICE-Verkehrs erfolgte dann nur wenige Tage später am 2. Juni 1991.

Angefangen hatte alles aber bereits acht Jahre zuvor: 1983 gab die Bundesbahn den Bau des InterCityExperimental in Auftrag. Mit dem Entwicklungsprojekt, dass bereits Ende der 1970er Jahre gestartet war und Anfangs noch den technischen Titel „Rad/Schiene-Versuchs- und Demonstrationsfahrzeug“ (R/S-VD) trug, sollte ein Versuchstriebzug zur Erprobung des neuen Hochgeschwindigkeitsverkehrs für die Bundesrepublik Deutschland entwickelt werden. Zu diesem Zeitpunkt hatte Frankreich mit dem TGV bereits erste Meilensteine in der Geschichte des Schienenhochgeschwindigkeitsverkehrs errungen.

ICE-V als Denkmal auf dem Gelände der DB Systemtechnik in Minden | Foto: DB AG / Oliver Lang

An der Entwicklung des Versuchstriebzuges waren unter Federführung des Bundesbahn-Zentralamts in München rund 300 Unternehmen beteiligt, darunter Siemens, Thyssen-Henschel, Krupp, Krauss-Maffei, Duewag und auch die AEG. Im Laufe unzähliger Tests und Probefahrten steigerte der fünfteilige Versuchszug seine Geschwindigkeit kontinuierlich, bis er am 14. November 1985 erstmals die 300 km/h-Grenze überschreiten konnte. Die offizielle Jungfernfahrt des InterCityExperimental, später als ICE-Versuchszug (ICE-V) bezeichnet, fand am 26. November 1985 statt. Seinen Höhepunkt der Entwicklungsarbeiten erreichte der Vorgängerzug des heutigen ICE mit einem damaligen Weltrekord am 1. Mai 1988, bei dem der Zug eine Spitzengeschwindigkeit von 406,9 km/h erzielte. Die Erkenntnisse aus den Tests und Entwicklungen flossen dann maßgeblich in die Produktion der ICE 1-Triebzüge ein.

Mit der Betriebsaufnahme zum Fahrplanwechsel im Sommer 1991 wurden auch die beiden ersten, im gleichen Jahr eröffneten Schnellfahrstrecken (Hannover–Würzburg und Mannheim–Stuttgart) von Beginn an in das neue ICE-Netz integriert. Die erste ICE-Verbindung führte von Hamburg über Hannover, Göttingen, Kassel-Wilhelmshöhe, Fulda, Frankfurt(Main), Mannheim, Stuttgart und Augsburg nach München.

Der ICE sei ein „Sinnbild für die Zusammenführung der beiden deutschen Staaten durch die Vereinigung und auch als Leitbild für die Gründung der Deutschen Bahn AG durch Zusammenführung der früheren Bundesbahn und Reichsbahn“, sagte Museumsführer Andreas Haardt 2016 im Rahmen einer Sonderführung anlässlich des 25. Jubiläums im DB Museum Nürnberg.

Vier ICE-Generationen auf einen Blick | Foto: DB AG / Kai-Michael Neuhold

In den letzten Jahrzehnten entstanden unterschiedliche Fahrzeugtypen des ICE. Die Weiterentwicklung vom damaligen ICE 1 bis zum nun modernsten ICE 4 sei dabei ein zwangsläufiger Schritt gewesen, wie der studierte Maschinenbauingenieur damals erklärte: Verfügen die ICE 1- und 2-Züge noch über Triebköpfe, vergleichbar mit klassischen Wagenzügen mit vorgespannten Loks, kommen bei den Nachfolgern, ICE-T, ICE 3 und ICE 4 neue Technikkonzepte zum Tragen. Denn hier ist die Antriebs-, Strom- und Steuerungstechnik über den gesamten Zug verteilt untergebracht. Die klassische Zugmaschine an der Spitze gibt es damit bei den neuen ICE-Zügen nicht mehr. Mit den Power- und Trailer-Cars beim ICE 4 sei die Zugzusammenstellung wesentlich flexibler.

Nach Angaben der Deutschen Bahn sollen ab Mitte Juni dieses Jahres erstmals lange ICE 4-Züge mit 13 Wagen – sogenannte XXL-ICE – auf der Verbindung Hamburg–Frankfurt(Main)–Basel–Zürich–Chur zum Einsatz kommen; später dann auch zwischen Nordrhein-Westfalen und München. Außerdem wird die Höchstgeschwindigkeit der neuesten ICE-Generation ab August von derzeit 250 auf 265 km/h angehoben.


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Voraussichtlich bis in die 2030er Jahre wird die ICE 1-Flotte, die heute 58 Züge umfasst, wohl noch im Dienst bleiben. Zusammen mit den Nachfolgegenerationen kommt die Deutsche Bahn derzeit auf einen Fahrzeugbestand von rund 330 ICE-Zügen. Bis 2024 soll die komplette ICE 4-Flotte mit ihren 137 bestellten Fahrzeugen ausgeliefert sein. Bereits ab 2022 sollen zudem 30 neue ICE vom Typ Velaro dazu kommen.

Als Tag einer unvergesslichen Tragödie wird wohl immer der 3. Juni 1998 in Erinnerung bleiben: Beim Zugunglück von Eschede starben damals insgesamt 101 Menschen. Es war der schwerste Bahnunfall in der deutschen Nachkriegsgeschichte und der dunkelste Fleck in der 30-jährigen Historie des ICE.