„Infrastruktur und Betrieb gehören zusammen“ – Ein Plädoyer gegen die Zerschlagung des Bahnkonzerns

Berthold Huber, DB-Personenverkehrsvorstand, und Ronald Pofalla, DB-Infrastrukturvorstand |
Foto: DB AG / Oliver Lang / Pablo Castagnola

Die Bahnvorstände Berthold Huber und Ronald Pofalla haben sich klar für den Erhalt des integrierten Bahnkonzerns ausgesprochen. Nur wenn Infrastruktur und Betrieb Hand in Hand arbeiten, könne die Eisenbahn in Deutschland funktionieren, so die Meinung der beiden Manager.

Ein Blick in andere Länder zeige, dass die mit einer Trennung verbundenen Erwartungen „bitter enttäuscht“ worden seien – ein Beispiel sei hier Großbritannien, das Mutterland der Schiene, schreiben DB-Personenverkehrsvorstand Huber und DB-Infrastrukturvorstand Pofalla in einem Gastkommentar des Handelsblatt. Und weiter: „Auch in Frankreich löste man die Infrastruktur aus der SNCF, der staatlichen Eisenbahngesellschaft – ebenfalls mit negativem Ergebnis. Heute sind dort Netz und Betrieb wieder vereint unter einem Dach. Frankreichs Stolz, der Hochgeschwindigkeitszug TGV, stammt aus der Zeit vor dem Trennungsexperiment. Wenn wir auf erfolgreiche Eisenbahnländer schauen, dann haben sie alle eines gemeinsam: Sie produzieren die Eisenbahn aus einer Hand.“

Als Vorbild nennen die Bahnmanager die Schweiz: „Die Bahn arbeitet dort seit Jahrzehnten maximal abgestimmt an einem integrierten Taktsystem.“ Ein ähnliches Modell ist der Deutschlandtakt – „ein Projekt, an dem wir mit Hochdruck arbeiten, um die Fahrgastzahlen im Fernverkehr zu verdoppeln.“ Durch die digitale Zugsteuerung soll die Kapazität auf dem bestehenden Netz zudem um rund 30 Prozent steigen. Das sei die Basis für einen neuen Halbstundentakt im Fernverkehr zwischen den Metropolen.


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Außerdem geben beide Manager zu bedenken: „Wer jetzt eine zweite Bahnreform fordert, dem sollte bewusst sein: Der Klimawandel wartet nicht, bis wir jahrelange Strukturdebatten beendet haben. Um die Lebensgrundlagen kommender Generationen zu erhalten, braucht es die Deutsche Bahn als Unternehmen des Bundes.“ Aber auch die privaten Wettbewerber seien nötig, betonten beide Bahnvorstände. „In Deutschland fahren über 400 Konkurrenten auf der Schiene, mehr als in jedem anderen europäischen Land. Im Güterverkehr entfällt die Hälfte des Marktanteils auf unsere Wettbewerber.“

Um die Pünktlichkeit zu erhöhen, setzen Huber und Pofalla vor allem auf drei Schritte. Erstens: Die Modernisierung und der Ausbau der Fahrzeugflotte auf rund 600 Hochgeschwindigkeits­züge – heute sind 330 ICE im Bestand. Zweitens: Den Ausbau der Werkstattkapazitäten mit einem Investitionsvolumen von 1,5 Milliarden Euro. Drittens: Die weitere Optimierung des Baustellenmanagements. Allein 2021 sollen 12,7 Milliarden Euro in die Modernisierung des Netzes und der Bahnhöfe fließen.