Lufthansa: „Noch viel zu tun beim Ausbau der Bahn­infra­struktur“ – Inner­deutsche Flüge bleiben wichtig

Harry Hohmeister, Mitglied des Lufthansa-Vorstands und Berthold Huber, Vorstand Deutsche Bahn AG | Foto: DB AG / Patrick Kuschfeld

Europas größter Airline-Konzern Lufthansa ist sich sicher, dass innerdeutsche Flüge weiterhin nötig bleiben, weil die Bahninfrastruktur an einigen Stellen fehle. Außerdem zeigt Vorstandsmitglied Harry Hohmeister Sympathien für den Vorstoß von SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz für Mindestpreise bei Flugreisen.

„Wenn Mindestpreise heißen, dass Airlines ihre Kosten decken müssen und nicht Phantasie­preise unterhalb der anfallenden Steuern und Gebühren aufrufen dürfen, dann ist das legitim“, sagte Hohmeister den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstagausgaben). Eine Verteuerung des Fliegens etwa durch Zusatzsteuern wäre dem Manager zufolge aber gerade jetzt in der Krise kontraproduktiv.

„Wir haben schon eine Luftverkehrssteuer, die in normalen Zeiten etwa eine Milliarde Euro im Jahr für den Staatshaushalt bringt“, sagte Hohmeister. Dieses Geld sollte aus Sicht der Airline für die Weiterentwicklung von nachhaltigem Kerosin und neue Antriebstechnologien verwendet werden. Zur Debatte um ein mögliches Verbot von Inlands- und Kurstreckenflügen sagte Hohmeister, Lufthansa habe Inlandsflüge seit Jahren immer dort aufgegeben, wo die Bahn konkurrenzfähig ist.

„Für bestimmte längere Strecken und als Zubringer für Langstreckenflüge bleiben inner­deutsche Flüge aber wichtig für die Gesellschaft und die deutsche Wirtschaft“, sagte er den Funke-Zeitungen. „Und so lange ein Flughafen wie München keinen ICE Anschluss hat, gibt es noch viel zu tun beim Ausbau der Bahninfrastruktur.“ Der innerdeutsche Flugverkehr sei vor der Coronakrise für weniger als 0,3 Prozent der deutschen CO2-Emissionen verantwortlich gewesen. „Und der Wert sinkt weiter mit jedem modernen Flugzeug, das wir einflotten.“


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Generell sei der Konzern Vorreiter bei der Reduzierung der Auswirkungen des Fliegens aufs Klima, sagte das Vorstandsmitglied. „Wir waren die ersten, die ermöglicht haben, die Klima­wirkung des Fluges zu kompensieren. Wir erforschen mit Partnern nachhaltige Kraftstoffe. Wir rüsten unsere Frachtflugzeuge mit Sharkskin aus, einer neuen Haut, die den Windwiderstand verringert und Sprit spart. Wir sind globaler Innovationstreiber und wünschen uns von der Politik die richtigen Rahmenbedingungen dafür.“

Zudem kündigte Hohmeister einen weiteren Ausbau der Kooperation mit der Deutschen Bahn an. Erst kürzlich hatten beide Konzerne mitgeteilt, dass sich Tickets beider Unternehmen jetzt besser kombinieren lassen und 22 deutsche Städte per Lufthansa Express Rail an den Frankfurter Flughafen angebunden werden. Hohmeister: „Und das werden wir ausbauen.“


Mit Material der dts Nachrichtenagentur