Neue Strategie soll Bahn widerstandsfähiger gegen Extremwetter machen

Hinweis „Klimaanlage defekt“ in einem ICE | Foto: EVN

Die Deutsche Bahn wappnet sich mit einer neuen „Resilienz-Strategie“ für künftige Witterungsextreme.

Berlin (evn) – Grundlage für das konzernweite Maßnahmenpaket ist die neue Studie des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), teilte die Deutsche Bahn am Freitag mit. Laut den Wetterexperten muss in Zukunft mit deutlich mehr Hitzetagen und weniger harten Wintern in Deutschland gerechnet werden; hinzu kämen Wetterextreme wie Starkregen und Hagel. Analysiert wurden Wetterdaten von 1961 bis 2020. Basierend darauf entwickelte das PIK mit unterschiedlichen Computersimulationen Projektionen zu möglichen Entwicklungen des Klimas für die Jahre 2031 bis 2060.

Die wissenschaftlichen Daten sollen helfen, vor allem die Infrastruktur, Fahrzeuge, Energie­anlagen sowie Bahnhöfe noch besser gegen Klimafolgen zu schützen. Mit den Prognosedaten des PIK für 34 Verkehrsregionen habe die Bahn eine gute Grundlage, „um künftig noch zielgerichteter auf lokale Wetterphänomene zu reagieren“, sagte DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla.

Nach Einschätzung der Forscher werden Hitzeperioden perspektivisch weiter zunehmen. Schwerpunktregionen seien dabei Mainz, Karlsruhe sowie Teile Nordost-Deutschlands. Gleich­zeitig sinke die Anzahl der Eistage vor allem in den westlichen Regionen deutlich. Das PIK geht ferner davon aus, dass die südlichen Bundesländer sowie die Region Hagen – wie heute bereits zu beobachten ist – künftig mit am stärksten von Starkregen betroffen sein werden.

Die Klima-Resilienz-Strategie der Bahn werde vor allem „ein weiter optimiertes Vegetations­management am Gleis sowie robuste Fahrzeuge und Werke, eine wetterfeste Infrastruktur“ beinhalten, hieß es von Seiten des Konzerns. Einen Hub für mehr Stabilität bei veränderten Wetterlagen soll demnach zum Beispiel durch klimafestere Stellwerkstechnik und Energie­anlagen erreicht werden. So erfassen Sensoren künftig rund um die Uhr Anlagentemperaturen und Umgebungsbedingungen. Die Bahn will somit mögliche Störungen durch Klimaschäden früh erkennen und Reparaturen rechtzeitig anstoßen.

Laut DB-Angaben habe das Unternehmen bereits nach der ersten Klimastudie des PIK im Jahr 2018 „eine Vielzahl konkreter technischer, organisatorischer und personeller Maßnahmen getroffen, um sich für die Folgen des Klimawandels zu wappnen.“ Ein Beispiel hierfür sei unter anderem die intensivierte Grünpflege am Gleis, um Strecken sturmsicherer zu machen. Seit 2018 konnten so Sturmschäden durch Bäume bereits um 25 Prozent reduziert werden, betonte die Bahn.

Auch sollen ältere Züge mit klimafesten Anlagen neu ausgerüstet werden. Der ICE 4 sei hingegen bereits dafür ausgelegt, auch bei Außentemperaturen bis 45 Grad ein stabiles Raumklima zu gewährleisten.