Bahn will auf Lokführer­gewerkschaft zugehen – Kritik an Blockadehaltung

Logo der Deutschen Bahn auf der Lokomotive | Foto: DB AG

Die Deutsche Bahn hat die Blockadehaltung von GDL-Chef Claus Weselsky in der aktuellen Tarifrunde scharf kritisiert. Gleichzeitig will sie auf die Lokführergewerkschaft zugehen.

  Aktualisiert | 24. Juni 2021, 17:55 Uhr  

Berlin (evn) – Die Bahn sei „bereit, die geforderte Lohnerhöhung von 3,2 Prozent in zwei Schritten zu vereinbaren“, sagte DB-Personalvorstand Martin Seiler am Donnerstag in Berlin. Er betonte allerdings, dass man dafür „eine etwas längere Laufzeit“ benötige, „um die gewaltigen Corona-Schäden bewältigen zu können.“ Die Bahn fordert die GDL-Führung auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und die Streikdrohungen aufzugeben. Das Angebot der Bahn sehe außerdem einen zusätzlichen Kündigungsschutz, Tausende Neueinstellungen und eine Altersvorsorge vor, teilte eine Bahnsprecherin mit.

Weselsky hatte am Donnerstagvormittag angekündigt, vor möglichen Streiks im August eine Urabstimmung durchzuführen. Bis zum 9. August werde es daher keine Arbeitsnieder­legung geben. Unmittelbar danach sei aber „mit längeren Arbeitskampfmaßnahmen“ zu rechnen, „wenn die Bahn es nicht fertigbringt, mit einem verbesserten Angebot wieder in den Verhandlungsmodus einzutreten“, hieß es.

Mit der langen Frist zieht die GDL ein Thema in den Bundestagswahlkampf, das für sie eine Existenzfrage darstellt. Seit Ende 2020 setzt die Bahn das Tarifeinheitsgesetz um. In jedem der rund 300 Bahnbetriebe wird seitdem bei einer Tarifkollision geprüft, welche Gewerkschaft mehr Mitarbeiter vertritt und folglich den Tarifvertrag verhandeln darf.


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„Es ist eine lange Zeit zum Nachdenken für die Teppichetage im Bahntower und auch für den Eigentümer“, erklärte Weselsky. Der Staatskonzern habe auf Geheiß des Bundes den Verkehr während der Corona-Pandemie durchgehend aufrechterhalten. „Wer die Musik bestellt, wird sie auch bezahlen müssen.“

„Die GDL setzt ihre verantwortungslose Geisterfahrt fort, anstatt endlich an den Verhandlungs­tisch zurückzukehren“, sagte Seiler. „Mit immer neuen Drohungen und Ankündigungen verunsichert der GDL-Chef Millionen Bahnkunden, die sich nach der schweren Zeit der Pandemie endlich wieder aufs Reisen freuen.“

„Ich hoffe, dass sie sich wieder zusammensetzen und miteinander verhandeln“, sagte Karl-Peter Naumann, der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur. Die Zeit müsse genutzt, der Tarifkonflikt gelöst werden, vielleicht mit unabhängiger Moderation. Denn das Tischtuch zwischen Gewerkschaft und Bahn scheint zerschnitten: man bezichtigt sich der Lüge, spricht über- und nicht miteinander.

Die Konkurrenzgewerkschaft EVG hatte schon im vergangenen Herbst einen Tarifabschluss unterschrieben. Ab Anfang 2022 erhalten die Beschäftigten 1,5 Prozent mehr Geld. Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen und sie kann im Frühjahr 2023 schon wieder verhandeln. Die GDL will mehr herausholen und nutzt die Urabstimmung auch als Druckmittel.