Bahnbranche und Politik diskutieren über Verkehrswende – Umweltbundesamt: Verkehrsumbau nötig

Weichenvorfeld eines Bahnhofs | Foto: EVN

Branchenvertreter und Politiker haben am Mittwoch auf einer Fachkonferenz über die Stärkung der Schiene als zentralen Bestandteil der Verkehrswende diskutiert.

Berlin (evn) – Aus Sicht des Umweltbundesamtes (UBA) lassen sich die Klimaziele im Verkehrssektor allein mit Elektromotoren für Autos auch in Verbindung mit erneuerbaren Energien nicht erreichen. „Am Ende des Tages werden wir damit nur 50 Prozent dessen, was wir erreichen wollen, wenn wir den Nullklimapfad bis 2045 verfolgen, in diesem Bereich erzielen“, sagte UBA-Chef Dirk Messner am Mittwoch auf der Verkehrskonferenz des Umweltministeriums und des Interessenverbands Allianz pro Schiene. „Der andere Bereich liegt im Feld des Verkehrssystems selber.“ Es brauche unter anderem Verkehrsvermeidung und Verkehrsverlagerung insbesondere auf die Schiene.

Messner verwies darauf, dass der Verkehr als einziger Sektor in Deutschland seine Treibhausgasemissionen zwischen 1990 und 2019 nur marginal senken konnte. Er sei für rund ein Fünftel der Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich, „Tendenz steigend“.

Auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) fordert einen klaren Vorrang für die Schiene. „Wenn die Bundesrepublik ihre verschärften Klimaziele erreichen will, dann muss insbesondere der Verkehrssektor liefern“, sagte der Vorsitzende der Allianz pro Schiene und stellvertretende EVG-Vorsitzende Martin Burkert. Um die Klimawende zu erreichen, sollte die Schiene zum „Verkehrsträger Nr. 1 in Deutschland und Europa werden“.


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Für eine echte Verkehrsverlagerung auf den umweltfreundlichen Verkehrsträger Schiene müssten aber auch die Rahmenbedingungen geschaffen werden, betonte der EVG-Vize. Vor allem müsse die Infrastruktur modernisiert und ausgebaut werden, um zusätzliche Verkehre aufnehmen zu können. Dazu gehöre auch die Elektrifizierung weiterer Strecken und eine weitere Digitalisierung des Schienenverkehrs. Burkert forderte eine Investitionsoffensive: allein für Aus- und Neubau der Infrastruktur seien mindestens 3 Milliarden Euro pro Jahr notwendig. „Momentan ist Deutschland hier im europäischen Tabellenkeller. Wir müssen bei den Ausgaben für die Schiene aber ganz oben mitspielen. Die nächste Bundesregierung muss schnell liefern.“

„Aber auch die Verkehrsunternehmen und die Bahnindustrie sind gefordert“, so Burkert weiter. „Die Ökobilanz des Verkehrsträgers ist gut, aber sie kann auch noch verbessert werden, zum Beispiel durch die Nutzung emissionsfreien Stroms oder die Verwendung klimaneutral produzierten Stahls.“ Der Bundeswirtschaftsminister sei „aufgefordert, die Chancen für grünen Stahl mit der DB AG und der Stahlindustrie auszuloten.“

Wenn der Bahnsektor zum Motor der Verkehrswende werden solle, brauche es aber auch mehr Personal, so Burkert weiter. Dafür müssten die Arbeits- und Sozialbedingungen und die Ausbildungsstandards in den Fokus rücken. „Das „Jahr der Schiene“, das die Europäische Kommission ausgerufen hat, muss auch das „Jahr der Eisenbahn-Beschäftigten“ sein!“