SPD in Mecklenburg-Vorpommern hält kostenfreien öffentlichen Nahverkehr für falschen Weg

Ein Haltestellenschild auf dem Land (Archiv) | Foto: Pixabay

Die SPD hält Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehr Mecklenburg-Vorpommerns für erforderlich, lehnt eine vollständige Kostenbefreiung der Nutzer aber ab.

Schwerin (dpa) – Vor allem im ländlichen Raum sei das Angebot unzureichend. „Wenn Dörfer nur zweimal täglich über den Schulbus angebunden sind und somit in den Ferien gar nicht, dann nutzen die Menschen notgedrungen das Auto“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Jochen Schulte, am Donnerstag in Schwerin.

Ziel sei es, gemeinsam mit den Landkreisen und Verkehrsunternehmen ergänzende Rufbussysteme aufzubauen. Wenn damit praktisch im Stundentakt die Anbindung an die regulären Buslinien gewährleistet werde, sei der öffentliche Nahverkehr deutlich attraktiver und der Bus eine Alternative zum privaten Auto. In einigen Landkreisen funktioniere das schon.

Forderungen nach grundsätzlicher Kostenfreiheit seien indes eine Mogelpackung, denn kein Bus und keine Bahn fahre umsonst. „Bezahlt wird eine solche Kostenfreiheit vielmehr durch diejenigen, die dann immer noch kein öffentliches Nahverkehrsangebot erhalten“, begründete Schulte seine Haltung. „Wir benötigen ein attraktives Angebot mit fairen und gerechten Preisen für Busse und Bahnen.“

Vor allem die Linke hatte im Landtag immer wieder Defizite im Nahverkehr beklagt und die SPD/CDU-Regierung aufgefordert, dafür mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Nach Auffassung der Oppositionspartei würde ein kostenfreier öffentlicher Nahverkehr die Nutzung drastisch erhöhen, die Straßen und die Umwelt entlasten und damit einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Die verkehrspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Mignon Schwenke, erneuerte am Donnerstag die Forderungen. „Wir brauchen ein gutes Angebot und sukzessive Kostenfreiheit im Nahverkehr, beginnend mit Kindern und jungen Menschen. Wer von Anfang an Bahn und Bus nutzt, wird es auch im späteren Leben tun“, zeigte sie sich überzeugt. Bisher bestehe nur ein landesweiter Flickenteppich von Vergünstigungen. Die Sicherung von Mobilität sei eine wichtige Aufgabe der Daseinsvorsorge. Dafür habe der Staat zu sorgen.

Die Äußerungen Schultes wertete Schwenke als späte Erkenntnis der Regierungspartei SPD, „dass die ländlichen Räume an den Nahverkehr angebunden werden müssen, statt weiterhin abgehängt zu bleiben“. Rufbusangebote wie im Landkreis Ludwigslust-Parchim oder auch der Ilse-Bus in Regionen des Landkreises Vorpommern-Greifswald seien landesweit nötig und brauchten die Unterstützung des Landes, erklärte Schwenke.