Fahrscheinkontrolle an S-Bahnhof eskaliert – Bundespolizist kniet auf Kopf von vermeintlichem Schwarzfahrer

Bodycam eines Bundespolizisten (Symbolbild) | Foto: EVN

Die Staatsanwaltschaft München I hat „Vorermittlungen“ ein­geleitet und überprüft einen Bundespolizeieinsatz, der sich im Februar 2020 an der Münchner S-Bahn-Station Isartor ereignet hat.

  Aktualisiert | 06. Juli 2021, 00:52 Uhr  

München (evn) – Auslöser ist ein am Montag veröffentlichtes Video einer Polizei-Bodycam. Auf den Aufnahmen, die dem Nachrichtenmagazin Focus vorliegen, ist zu sehen, wie ein Polizist auf der Kopf- und Halsregion eines um Hilfe rufenden Mannes kniet. Laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft eingeleitete „Vorermittlungen“. Diese sollen klären, ob ein Verfahren eingeleitet wird. Unklar ist, wie das Video der Bundespolizei an die Öffentlichkeit gelangt ist.

Gegen den Mann, auf dessen Hals der Polizist kniete, läuft ein Ermittlungsverfahren. Im August 2020 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den 53-jährigen Franzosen wegen Körper­verletzung, Beleidigung und tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte. 

Wie Focus berichtete, war der Mann bei einer Fahrscheinkontrolle ins Visier der Beamten geraten, obwohl er ein gültiges Ticket besessen habe. Dem Nachrichtenmagazin zufolge hatte der Mann angegeben, dass er sich während des Polizeieinsatzes nicht mehr habe bewegen können. Er sprach sogar von Todesängsten.

Laut einem Bericht der Bild-Zeitung sagte ein nicht namentlich genannter Einsatzbeamter, dass das Video „eine ganz normale Festnahme“ zeige. „Es sieht auch nicht so aus, dass der Polizist dem Mann auf dem Hals kniet, sondern auf dem Kopf – was rechtlich zulässig ist.“ 

Dem Bericht zufolge kritisierte der Anwalt des 53-Jährigen, David Mühlberger, das Vorgehen des Beamten und der Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn. Auf der Monatskarte seines Mandanten habe sich lediglich eine Notiz befunden. Eingetragen war dort das Datum, an dem er eine neue Fahrkarte kaufen müsse, hieß es. „Wenn jemand einen gültigen Fahrschein hat, dann darf so eine Eskalation nicht das Ergebnis sein“, so Mühlberger gegenüber Bild.

Auch wenn die Folgen nicht zu vergleichen sind, erinnert das Video in Teilen an den tödlichen Polizeieinsatz gegen George Floyd im Mai 2020 in der amerikanischen Stadt Minneapolis. Der Vorfall hatte in den USA eine Welle des Entsetzens und große Proteste ausgelöst.