Verkehrsunternehmen in Berlin und München ersetzen das Wort „Schwarzfahrer“

Blick in den Duden | Foto: Imago / Steinach

Um einer möglichen Rassismusdebatte vorzubeugen, haben sowohl die Berliner Verkehrs­betriebe (BVG) als auch die Münchener Verkehrs­gesellschaft (MVG) sich zum Ziel gesetzt, den Begriff „Schwarzfahrer“ zu streichen.

  Aktualisiert | 09. Juli 2021, 13:11 Uhr  

Berlin/München (evn) – Bislang waren Hinweisaufkleber mit dem Wortlaut „Schwarzfahren kostet 60 Euro“ in Bus und Bahn nichts Ungewöhnliches. Nun wurden sämtliche Plakate und Aufkleber in den Städten Berlin und München systematisch ersetzt. Gegenüber der Bild-Zeitung erklärte die MVG, dass es sich dabei um „eine Maßnahme für eine zeitgemäßere Kommunikation“ handele. In den U-Bahnen und Bussen in München heißt es deshalb nun: „Ehrlich fährt am längsten.“ Dabei habe der Begriff „Schwarzfahrer“ keinen Rassismus-Bezug, wie Sprach­wissenschaftler betonen.

Der Ausdruck komme vom jiddischen Begriff „shvarts“ und bedeute so viel wie „Armut“, sagte beispielsweise der Linguist der Universität Bochum, Eric Fuß, laut einem Bericht des Nachrichten­magazins Focus. Das Wort bezieht sich demnach auf ärmere Menschen, die sich kein Ticket leisten können und nicht auf Hautfarben. Der von den Verkehrsbetrieben befürchtete rassistische Hintergrund des Wortes „Schwarzfahren“ sei daher sprachwissen­schaftlich unbedenklich, hieß es. Ähnlich äußerte sich auch Jürgen Kunze, früherer Professor am Institut für deutsche Sprache und Linguistik an der Humboldt-Universität in Berlin, gegenüber der Münchner Abendzeitung.