Bahn prüft weiter alle Ausbauvarianten zwischen Hannover und Hamburg

ICE 4 auf freier Strecke | Foto: Pixabay / Erich Westendarp

Schon lange wird um den Ausbau der Bahnstrecke von Hannover nach Hamburg gerungen. Es geht um mehr Tempo für den ICE und mehr Platz für Güterzüge. Das Konzept eines Planers hat die Bahn jetzt verworfen.

Hannover/Hamburg (dpa) – Für den Ausbau der Bahnstrecke zwischen Hannover und Hamburg prüft die Deutsche Bahn weiterhin alle ernsthaft in Betracht kommenden Trassen­varianten. Ziel ist es, die Voraussetzungen für den schnellen ICE-Verkehr zu verbessern und Engpässe im Hafenhinterland aufzulösen. Neben dem Ausbau der bestehenden Strecke werden Alternativlösungen zwischen der Bestandsstrecke und der Autobahn A7 auf ihren Nutzen für den Verkehr und die Auswirkungen auf Mensch, Natur und Umwelt hin untersucht, betonte die Deutsche Bahn.

Inzwischen wird ergänzend ein Ausbau der wichtigen Verkehrsachse für Tempo 300 statt wie zunächst für Geschwindigkeiten bis 250 Kilometer pro Stunde optional geprüft. Bahn-Vorstand Ronald Pofalla nannte die Verbindung kürzlich als eine der Strecken, auf der die Bahn das Tempo künftig erhöhen will.

Die Untersuchungen für den Trassenverlauf konzentrieren sich auf den Abschnitt Hamburg-Lüneburg-Celle, im Sommer vergangenen Jahres hat die Vorplanung begonnen. Der Knack­punkt ist, ob aller Verkehr – es geht um die schnellen ICE, die Regionalbahnen und hunderte Güterzüge täglich – alle über über die dann mehrgleisig auszubauende bestehende Strecke rollen können. In den betroffenen Städten gibt es Protest, außerdem stellt sich die Frage, ob so ein Ausbau wirtschaftlich ist.

Denn zu den Vorgaben, die der Bund der Bahn für das Großvorhaben gemacht hat, gehört ein Zeitgewinn von 11 Minuten für die schnellen ICE-Züge zwischen Hamburg und Hannover: Die Milliardeninvestition soll auch Reisende in die Hansestadt schneller ans Ziel bringen. Das zwingt zum Verzicht auf enge Kurvenradien. Die Bahn prüft deshalb den Bau von Ortsumfahrungen von Lüneburg, Deutsch Evern und Bad Bevensen eng am Verlauf der Bestands­strecke, was wiederum den Unmut der Bürgerinitiativen gegen eine Neubaustrecke weckt. Abgeklopft wird zudem ein weiter von der bestehenden Trasse entfernt liegender Neubauabschnitt entlang der A7.

Die Bürgerinitiativen, die sich gegen Neubaustrecken starkmachen, haben vor eineinhalb Jahren ein Gutachten des in Bahnprojekten erfahrenen Gutachters Martin Vieregg vorgelegt. Dieser kam zu dem Schluss, dass eine Umfahrungsstrecke unnötig ist. Voraussetzungen wären aber ein Ausbau der Ausfahrt aus dem Hamburger Hauptbahnhof und ein viergleisiger Ausbau der Strecke nach Lüneburg. Die Bahn hält Viereggs Ideen nach gründlicher und aufwendiger Prüfung für nicht solide untermauert und nicht realistisch – für eine gemeinsame Podiums­diskussion sei der Gutachter nicht zu haben gewesen, so der Sprecher. Damit sei das Thema für die Deutsche Bahn abgeschlossen.

Ergebnisse der Vorplanung erwartet die Bahn bis Ende 2022. Dann soll eine Vorzugsvariante zum Ausbau der Strecke präsentiert werden.