Neues Bahn-Testfeld für digitale Technik in Ostdeutschland eröffnet

Verkehrsminister Andreas Scheuer und DB-Netz-Chef Frank Sennhenn eröffneten neues Bahn-Testfeld für digitale Technik | Foto: BMVI

Mehr Klimaschutz, weniger Lärm, automatisierte Steuerung der Züge: Das sind Ziele der Bahn. Die Digitalisierung soll dafür ausgebaut werden, mancherorts ist sie noch nicht weit entwickelt. Das soll sich dank einer neuen Riesen-Teststrecke ändern.

  Aktualisiert | 13. Juli 2021, 14:31 Uhr  

Cottbus (dpa) – Die Deutsche Bahn will mit mehr digitaler Technik klimafreundlicher und lärmschonender werden und den Zugverkehr besser steuern – das soll in Ostdeutschland erprobt werden. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und der Chef der DB Netz AG, Frank Sennhenn, eröffneten am Dienstag in Cottbus ein sogenanntes offenes digitales Testfeld. Dafür soll längerfristig ein Streckennetz in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen zwischen Halle (Saale), Cottbus und Niesky nahe Görlitz von 350 Kilometern Länge im „Livebetrieb“ genutzt werden. Das Testfeld ist nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums das erste seiner Art in Europa – es ist auch offen für andere Anbieter wie Start-ups.

„Dieses Projekt ist echt einzigartig in Europa“, sagte Scheuer. Er nannte digitale Stellwerke als ein Beispiel für geplante Innovationen. Bis 2025 solle in der Region Stuttgart der erste digitale Bahnknoten mit Fern-, Regional- und S-Bahnen entstehen. Er verteidigte das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21. Die verbesserte Infrastruktur sei für den digitalen Bahnknoten notwendig. „Die digitale automatische Kupplung ist das nächste große Projekt, da brauchen wir Europa dazu“, sagte Scheuer.

DB-Netz-Chef Sennhenn brachte als ein Beispiel für mehr Digitalisierung die Planung des Zugbetriebs bei Störungen. Mit digitaler Technik könne etwa bei Verzögerungen durch eine Baustelle für einen Zug deutschlandweit ein neuer Fahrplan errechnet und aufgespielt werden, sagte Sennhenn. Der Fahrzeugführer könne sofort erkennen, wo er fahren müsse. Wenn er auf ein rotes Signal treffe, könne er schon vorher langsamer fahren, den Zug ausrollen lassen und damit Energie sparen. Mehr Digitalisierung für Schienen und Stellwerke habe praktisch eine Bedeutung wie die Apps für ein Handy. Auch autonomes Fahren soll auf den Strecken erprobt werden.

Quelle: DZSF

Für das neue offene Testfeld ist nach Angaben des Ministeriums der Einsatz von 4,5 Millionen Euro für Ausstattung und Testfahrzeuge für den Bundeshaushalt 2022 eingeplant. Bis 2027 will die Bahn das gesamte Streckennetz in Deutschland zudem mit Glasfaser ausbauen. „Mit mir als Minister wird es an den Themen bei der Digitalisierung des Bahnverkehrs nicht am Geld scheitern“, sagte Scheuer. Er will als Minister trotz Kritik wegen der gescheiterten Pkw-Maut auch in einer künftigen Regierung weitermachen, wie er vor einigen Tagen angekündigt hatte.

Der Digitalminister musste aber auch Kritik loswerden. Scheuer war auf der Hinfahrt nach Cottbus nach eigenen Worten nicht mit dem Mobilfunknetz zufrieden. Wegen Bauarbeiten auf der direkten Strecke von Berlin war er über Frankfurt (Oder) nach Cottbus gefahren. „Es war grauenhaft“, sagte er über die Netzabdeckung. Er habe sich zwar über WLAN einwählen können, der Anspruch müsse aber sein, überall Glasfaser und Mobilfunknetz zu haben. „Es war eine schöne Fahrt, aber es war keine Fahrt im 21. Jahrhundert.“