Gutachten zeigt „Hürden“ vor Reaktivierung der Höllentalbahn auf

Streckengleis einer stillgelegten Bahntrasse | Foto: Pixelio / Robin Radegast

Die Höllentalbahn in Thüringen und Bayern ist eine von 20 stillgelegten Strecken, die die Bahn wieder in Betrieb nehmen will. Ein Gutachten schätzt nun die Auswirkungen einer Reaktivierung auf Naturschutzgebiete ein und zeigt Hürden auf.

  Aktualisiert | 13. Juli 2021, 17:03 Uhr  

Erfurt/Blankenfelde (dpa/th) – Ein Gutachten hat für die Reaktivierung der Höllentalbahn zwischen Blankenstein in Thüringen und Marxgrün in Bayern große Hürden attestiert. An mindestens zwei Stellen sei die Maßnahme nicht mit den Schutzzielen der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien (FFH) der EU vereinbar, hieß es in dem Gutachten, das am Dienstag vom Thüringer Verkehrsministerium veröffentlicht wurde. Das Gutachten zeige die Vielzahl der Probleme auf, die sich stellten, sagte die Staatssekretärin des Ministeriums, Susanna Karawanskij, bei der Vorstellung in Blankenfelde. Weitere Schritte müssten sorgfältig abgewägt und Hürden im Bereich Naturschutz über Rechtsfragen bis zur Finanzierung gemeinsam überwunden werden. „Mir ist wichtig, dass wir gründlich sind, statt schnell“, sagte sie.

Im FFH-Gebiet „Selbitz, Muschwitz und Höllental“ würden laut Gutachten durch eine Strecken­reaktivierung aller Voraussicht nach Schlucht- und Hangmischwälder sowie Auenwälder mit Erle, Esche und Weide erheblich beeinträchtigt. Dies sei eine „entscheidende Hürde für die Genehmigungsfähigkeit des Vorhabens“, hieß es in der Auswirkungsabschätzung.

Zu den Zielen der FFH-Richtlinie der EU gehört die Schaffung und Bewahrung eines europa­weiten Schutzgebietsnetzes mit dem Namen „Natura 2000“. Die FFH-Gebiete sind ein wichtiger Teil davon. Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass eine Genehmigung des Vorhabens nur über eine Natura-2000-Abweichungsprüfung zu erzielen wäre. Hierfür müssten Ersatzflächen gefunden und eine Stellungnahme der EU-Kommission eingeholt werden. Die Erfolgsaussicht der Prüfung wurde als „kritisch“ eingestuft. Nach einer positiven Stellungnahme der EU müssten zudem weitere Hürden genommen werden.


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Der Trassenabschnitt ist rund 7,5 Kilometer lang. Davon liegen etwa 1,5 Kilometer in Thüringen, die restlichen rund sechs Kilometer befinden sich in Bayern. Die stillgelegte Strecke ist im Besitz der Deutschen Bahn. Sie will in den kommenden Jahren mehrere inaktive Strecken wieder in Betrieb nehmen. Derzeit stehen mit der Höllentalbahn insgesamt 20 Projekte in fast allen Bundesländern auf der Liste. Über Streckenreaktivierungen entscheiden Bund, Länder und Aufgabenträger für den Nahverkehr mit der Bahn. Die Thüringer Landesregierung prüft die Möglichkeit der Reaktivierung, um die bestehende Schienenlücke vor allem für den Güterverkehr zu schließen.

Die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Thüringer Landtag, Laura Wahl, schätzte die Hürden als hoch, aber überwindbar ein. Nun gehe es darum, zeitnah die EU-Stellungnahme einzuholen. „Die nächsten Schritte liegen beim Land“, so Wahl. Es müsse selbstverständlich abgewägt und geprüft werden, in der Gesamtschau scheine die Reaktivierung aber im Sinne der Verkehrswende für die Umwelt die attraktivere Lösung. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie, müssten noch detailliertere Untersuchungen einbezogen werden. Eine solche Studie steht noch aus.

Thüringens Verkehrsminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) nannte die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken zuletzt „ökologisch sinnvoll, weil sie den Umstieg von der Straße auf die Schiene erleichtert“. Der Nutzen für die Region liege für die Höllentalbahn klar auf der Hand. Bis dahin, so die Staatssekretärin, sei aber „noch einiges zu tun“.