Pro Bahn kritisiert GDL – Fahrgastverband wegen drohender Streiks „in hohem Maße“ beunruhigt

Zwei Lokomotiven der Deutschen Bahn | Foto: EVN

Der Fahrgastverband Pro Bahn zeigt sich besorgt wegen der möglicherweise im August drohenden Streiks durch die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL).

Oldenburg (evn) – Nach Ankündigung von GDL-Chef Weselsky könnten nach dem 9. August längere Streiks im Bahnverkehr drohen. Wie Pro Bahn kürzlich mitteilte, sei der Fahrgast­verband „in hohem Maße beunruhigt“. Dieses Mal könnten die Auswirkungen auch die vielen Privatbahnen in Niedersachsen betreffen, da die GDL die Arbeitsniederlegung auch auf die bisher stets verschonten Infrastrukturbereiche ausdehnen will, so die Sorge der Interessen­vertreter. „Wenn auch nur ein Stellwerk nicht besetzt ist, kommt der Zugverkehr auch auf den Strecken zum Erliegen, auf denen die Deutsche Bahn gar nicht fährt“, erläuterte der neue Landesvorsitzende Malte Diehl. Die Folgen dürften erheblich sein.

Pro Bahn befürchtet, dass durch einen Streik noch mehr Fahrgäste künftig den ÖPNV meiden könnten.  Das sei nicht nur klimapolitisch desaströs, sondern auch für die Ertragsseite der Aufgaben­träger und Bahnunternehmen. Bereits die Coronakrise habe zu einem starken Rückgang der Fahrgastzahlen geführt. „Die Zahl der gekündigten Abos wird abermals steigen. Nach dem Streik werden wir Mühe haben, den weiteren Ausbau des ÖPNV zu rechtfertigen. Warum soll man ein Verkehrsmittel nutzen, welches sowieso schon als nicht sehr pünktlich bekannt ist und zeitweise dann überhaupt nicht verkehrt?“, so Diehl weiter. Ein Streik würde gerade im ländlich geprägten Niedersachsen die Abkehr von Bahn und Bus vorantreiben, ist sich der Pro-Bahn-Landesvorsitzende für Niedersachsen und Bremen sicher.



Auch Stil und Ton der Auseinandersetzung seien stark irritierend: „Man muss den Eindruck gewinnen, dass die GDL die Deutsche Bahn nicht als Tarifpartner, sondern als Feind betrachtet. Wie anders lassen sich Vokabeln wie ‚Lügenbaron Seiler‘ erklären?“, schreibt Pro Bahn. Nach Ansicht des Fahrgastverbands gehe es „erkennbar um die Profilierung einer Gewerkschaft – auf Kosten derjenigen, die mittels Erwerbs einer Fahrkarte in ganz erheblichem Maße zur Finanzierung der Gehälter beitragen.“

Der niedersächsische Landesverband fordert mindestens „einen verlässlichen Notfahrplan“ für die Züge der Deutschen Bahn und „eine ganz klare Ansage, dass man das Verkehren aller Züge der anderen Bahnunternehmen im Lande nicht blockieren wird.“