Zerstörtes Bahnnetz: Scheuer rechnet mit Hochwasser­schäden von 1,3 Milliarden Euro

Zahlreiche Bahnhöfe und Bahnstrecken wurden durch das Unwetter beschädigt | Foto: DB AG

Das vorläufige Schadens­bild nach der Flut­katastrophe in Nordrhein-Westfalen, Rhein­land-Pfalz und anderen Teilen Deutschlands beläuft sich laut Bundesverkehrs­minister Andreas Scheuer (CSU) auf rund zwei Milliarden Euro – allein 1,3 Milliarden Euro für den Bereich Schiene.

Berlin (evn) – Am Donnerstagvormittag tagte der Verkehrsausschuss des Bundestages in einer außerordentlichen Sitzung zu den Schäden und Instandsetzungsarbeiten an Verkehrswegen, dem Schienennetz und der digitalen Infrastruktur. Der Vorsitzende Cem Özdemir (Grüne) dankte den Kräften vor Ort für ihren Einsatz bei der Rettung von Menschenleben und beim Wiederaufbau. Außerdem hielt der Verkehrsausschuss eine Schweigeminute ab.

Verkehrsminister Scheuer sprach von einer „Tragödie“. Am Montag habe er einige infrastrukturelle Schäden an Brücken, Straßen und Schienen begutachtet. Vor Ort werde mit Hochdruck an der Wiederherstellung gearbeitet und es gelte nun, Experten, wie etwa Ingenieure aus anderen Teilen der Republik in die betroffenen Gebiete zu bringen, berichtete Scheuer. Eine abteilungsübergreifende Taskforce sei eingesetzt worden, in der nachgeordnete Behörden, Deutsche Bahn und die Autobahngesellschaft des Bundes vertreten seien.

Scheuer betonte, das Meldewesen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) habe funktioniert. Auch wenn der DWD kein Hochwasser-Warnungsdienst sei, sondern die Wetter-Situation vorhersage, seien bereits am 12. Juli umfassende Informationen weitergereicht worden, in denen auch von „flutartigen Auswirkungen“ die Rede gewesen sei.


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Für den Wiederaufbau des Bahnnetzes seien der Schätzung nach 1,3 Milliarden Euro nötig, etwa 600 Kilometer Gleise seien betroffen. 480 Millionen Euro davon entfielen auf den Wieder­aufbau von Stationen und Bahnhöfen, 780 Millionen Euro auf Arbeiten am Netz. „Es sind etwa 60 Bahnhöfe betroffen, sechs bis acht sind total gesperrt“, sagte Scheuer. An einigen Stellen seien Bahndämme von beiden Seiten aufgeweicht, sodass geologische Untersuchungen nötig seien. Einige Strecken seien nicht zerstört, sondern „pulverisiert“, so der Verkehrs­minister. Die Eifelstrecke Köln-Trier sei ein Totalverlust, das Gebiet nur mit Hilfe von Drohnen einsehbar. Zu anhaltenden Einschränkungen komme es auf Strecken zwischen Düsseldorf, Hagen, Dortmund, Köln, Aachen, Hürth, Bonn und Sinzig. Auch in Bayern und Sachsen gebe es Gleisunterspülungen. Viele Strecken könnten bis Ende des Jahres wieder aufgebaut werden, bei anderen brauche es trotz der in dieser Legislatur verabschiedeten Planungs­beschleunigung für Ersatzbauten zwei bis drei Jahre, erklärte der Minister.

Laut Scheuer seien inzwischen 90 Prozent der digitalen Infrastruktur wie mobile Masten wiederhergestellt. Die Begutachtung von Bauwerksschäden und Stabilisierungsmaßnahmen seien am Laufen. Die Kosten für Schäden am Bundesfernstraßennetz beliefen sich nach Angaben von Scheuer auf 500 bis 700 Millionen Euro.

Die Abgeordneten konzentrierten sich in ihren Nachfragen auf die Dauer der Instandsetzungs­arbeiten, die Frage danach, warum die Warnungen die betroffenen Gebiete nicht ausreichend erreicht habe und auf die Frage, wie Ersatzneubauten so gestaltet werden können, dass die Infrastruktur Hochwasser-resistenter werde. Auch interessierte den Ausschuss die Frage nach personellen Kapazitäten beim Wiederaufbau und Möglichkeiten künftiger Warn-Wege.