Untersuchungsbericht: Fehler bei Brückenabriss war Ursache für Bahnunfall im April 2020

Unfallstelle am 2. April 2020 | Foto: BEU

Der tragische Bahnunfall vor gut einem Jahr zwischen Müllheim und Schliengen in Baden-Württemberg ist auf das Versagen der Kippsicherung einer damals im Rückbau befindlichen Straßenüberführung zurückzuführen.

  Aktualisiert | 24. Juli 2021, 17:31 Uhr  

Auggen (evn/dpa) – Bei der Kollision eines Güterzuges mit einem 140 Tonnen schweren Brückenteil ist am 2. April 2020 der Lokführer ums Leben gekommen, zwei Lastwagenfahrer, die sich im Personenwaggon direkt hinter der Lok befanden, wurden schwer, acht weitere leicht verletzt.

Die Ermittler der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) haben nun ihren Untersuchungsbericht veröffentlicht. Demzufolge haben Fehler bei der Absicherung des bereits ausgesägten Brückensegments im Zuge des Rückbaus der Fischerpfadbrücke bei Auggen zum Absturz des Betonteils geführt. Ein Gutachter bemängelte auch den zeitlichen Ablauf der Abbrucharbeiten und die Bauüberwachung.

Im Bericht der Bundesstelle heißt es konkret, dass die maßgeblichen Dübel, die das abgestürzte Brückenteil hätten sichern sollen, einer viel größeren Beanspruchung ausgesetzt gewesen seien als zulässig. Das lag an Fehlern in der Planung, aber auch in der Ausführung: Die Dübel seien nicht gemäß den Vorgaben eingebaut worden. So sei zu tief gebohrt und Bohrmehl nicht vollständig entfernt worden. Außerdem seien Dübel unzulässig gekürzt worden, schreiben die Unfallermittler.

Die Rheintalbahn zwischen Karlsruhe und Basel wird von zwei auf vier Gleise ausgebaut. Im Zuge dieser Arbeiten sollte die Brücke, von der sich das Betonteil löste, abgerissen werden. Nach dem Unfall musste die Bahn auf rund 250 Metern die beschädigten Gleise erneuern sowie 1.500 Tonnen Schotter und 680 Schwellen austauschen. Auf 500 Metern wurden Oberleitungen, Leit- und Sicherungstechnik repariert.

🔗 Untersuchungsbericht