„Pingdemie“: Britischen Nah­verkehrs­unternehmen fehlen Mitarbeiter

Symbol der Londoner U-Bahn vor dem Big Ben | Foto: Pixabay

Weil sich zunehmend Beschäftigte wegen Corona-Kontakten selbst isolieren müssen, sagen Verkehrs­unternehmen in Groß­britannien Fahrten ab oder dampfen ihre Fahr­pläne ein.

London (dpa) – Fahrgäste wurden aufgefordert, rechtzeitig ihre Verbindungen zu überprüfen. In London blieben am Wochenende zwei U-Bahn-Linien geschlossen, weil mehr als 300 Mitarbeiter als Kontaktpersonen identifiziert sind und sich deshalb in häusliche Quarantäne begeben mussten, auch wenn sie doppelt geimpft sind. Nach dem Warnton der britischen Corona-App sprechen Medien von einer „Pingdemie“.

Auf mehreren Strecken in London fuhren auch am Montag weniger Züge, ebenso auf einer wichtigen Verbindung von der Hauptstadt nach Nordwestengland. Ziel sei, Personalengpässe zu bewältigen und einen zuverlässigen Service zu gewährleisten, hieß es zur Begründung.

Die „Pingdemie“ sorgte zuletzt in vielen Branchen für Probleme. Lebensmittelregale blieben leer und Mülltonnen wurden nicht geleert. Die Regierung will nun Ausnahmen für Beschäftigte in strategisch wichtigen Berufen wie dem Lebensmittelhandel ermöglichen. Sie dürfen mit einem negativen Corona-Test zur Arbeit erscheinen, auch wenn sie „gepingt“ wurden.

Gewerkschaften kritisierten das Vorhaben scharf und riefen Beschäftigte auf, trotz der Ausnahme zu Hause zu bleiben, um kein Gesundheitsrisiko einzugehen. Die Verkehrsgewerkschaft GMT drohte mit Streik, falls die Beschäftigten gezwungen werden sollten, die Selbstisolation zu umgehen. Kabinettsmitglied Vicky Ford betonte, die Ausnahmen sollten nur für eine „wirklich kleine Zahl“ von Menschen gelten. Es gehe darum, Störungen für die Wirtschaft zu verhindern.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen nahm in Großbritannien zuletzt wieder ab. Experten machten dafür die Schulferien verantwortlich, Premierminister Boris Johnson mahnte aber zur Vorsicht.