Neue S-Bahn-Züge für Hamburg: Wichtiges Ausrüstungsdetail sorgt für Ärger bei Siemens

Ein Triebzug der Baureihe ET 490 der S-Bahn Hamburg | Foto: DB AG / Volker Emersleben

Die im März angekündigte Bestellung von 64 weiteren S-Bahn-Zügen für die Stadt Hamburg sorgt offenbar für Ärger. Dabei geht es allerdings nicht um die Fahrzeuge selbst, sondern um ein wichtiges Ausrüstungsdetail, das im Rahmen der Bestellung ergänzt wurde.

Hamburg (evn) – Die neuen Triebzüge der Baureihe 490, die von Alstom (früher Bombardier Transportation) gebaut werden, sollen zusätzlich mit dem europäischen Zugbeeinflussungs­system ETCS und der automatischen Zugsteuerung ATO ausgerüstet werden. Wie nun die Wirtschaftswoche berichtet, sorgt dieser Punkt allerdings für Verärgerung bei Konkurrent Siemens: Immerhin arbeiten die Stadt Hamburg, die Deutsche Bahn und Siemens Mobility seit 2018 an einem Pilotprojekt zur Umsetzung eines automatischen S-Bahn-Betriebs.

Ab Oktober sollen auf dem 23 Kilometer langen Streckenabschnitt im Hamburger S-Bahn-Netz zwischen den Stationen Berliner Tor und Bergedorf/Aumühle insgesamt vier Züge automatisch unterwegs sein. Der Lokführer überwacht dabei die Fahrt. Die Kosten für das Vorhaben in Höhe von rund 60 Millionen Euro teilen sich die drei Partner. Erste Testfahrten seien bereits erfolgreich verlaufen.

Dem Medienbericht zufolge fühlt sich Siemens wegen dem Ausrüstungsauftrag an Alstom übergangen. Das Kooperationsprojekt habe ja schließlich zum Ziel gehabt, „eine vom Fahrzeug­hersteller unabhängige Lösung zu entwickeln“, wird Siemens zitiert. Man „hätte sich im Sinne eines offenen und transparenten Wettbewerbs eine öffentliche Ausschreibung gewünscht.“


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Die Deutsche Bahn versucht unterdessen, so berichtet die Wirtschaftswoche weiter, die Wogen zu glätten. Immerhin umfasse die Ausstattung der 64 neuen Züge mit ETCS und ATO nur etwa 30 Prozent der S-Bahn-Flotte in Hamburg. Für die Nachrüstung der restlichen 128 S-Bahn-Züge solle es daher nun definitiv „herstelleroffene“ Ausschreibungen geben, heißt es dem Bericht zufolge aus dem Umfeld der Bahn. Dabei hätte auch Siemens Chancen einen Zuschlag zu erhalten. Die Umrüstung des Stellwerks und der vier Pilotzüge durch Siemens im Pilotprojekt seien jedenfalls als „Visitenkarte für die Digitalisierung der Eisenbahn“ zu verstehen.

Erst kürzlich ist Siemens-Konkurrent Alstom auch mit der ETCS-Nachrüstung von 118 Regional- und 215 S-Bahn-Zügen im Großraum Stuttgart beauftragt worden. Die Aufträge haben einen Wert von je 130 Millionen Euro.