US-Investor Carlyle will Verkehrsspezialisten Schaltbau übernehmen

Logo des Münchner Verkehrstechnikspezialisten Schaltbau | Foto: Schaltbau

In der weltweit umkämpften Bahn­industrie nimmt die Markt­konso­lidierung zu. Auch Zulieferer müssen neue Wege gehen – die Münchner wollen dies zusammen mit starken Geld­gebern tun. Noch sind aber nicht alle Hürden genommen.

München (dpa) – Der Münchner Verkehrstechnikspezialist Schaltbau steht vor der Übernahme durch den US-Finanzinvestor Carlyle. Ziel sei eine strategische Partnerschaft zur Unterstützung der Wachstums- und Investitionsstrategie von Schaltbau, wie beide Unternehmen am Samstag mitteilten. Carlyle kündigte ein Angebot von 53,50 Euro je Aktie an, was 32 Prozent über dem Schlusskurs der Schaltbau-Aktie vom vergangenen Freitag liege und 44 Prozent über dem Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate. Das entspreche einem Unternehmenswert von 709 Millionen Euro. Carlyle hat sich nach eigenen Angaben 69 Prozent der Aktien durch Zusagen bisheriger Anteilseigner bereits gesichert. Der Vorstand von Schaltbau will das Angebot unterstützen.

Die Investorenvereinbarung hat die Schaltbau Holding AG den Angaben zufolge mit der Voltage BidCo GmbH unterzeichnet, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft von durch Carlyle beratenen Fonds. Das Angebot sei im „besten Interesse des Unternehmens, seiner Aktionäre, Mitarbeiter, Kunden“, teilte Schaltbau mit. Carlyle habe zugesichert, die bestehende Struktur und die Standorte der Schaltbau-Gruppe mit ihrer Belegschaft zu erhalten. Vor Vollzug des geplanten Deals müssen unter anderem die Wettbewerbshüter zustimmen und außenwirtschaftsrechtliche Freigaben vorliegen.

„Carlyle hat sich mit einer Reihe erfolgreicher Investitionen auch im deutschen Markt als sehr verlässlicher, verantwortungsvoller und starker Partner erwiesen“, sagte Jürgen Brandes, Chef der Schaltbau Holding AG. Das Angebot, wie es sich derzeit darstelle, sei eine große Chance. „Mit der zusätzlichen finanziellen Unterstützung, dem globalen Branchenzugang und Netzwerk von Carlyle können wir unsere Wachstumspläne, die wir in unserer Strategie 2023 dargelegt haben, deutlich beschleunigen.“ Im Rahmen dieser Strategie will Schaltbau unter anderem das Bahn-Kerngeschäft auch durch Firmenübernahmen stärken, das Servicegeschäft erweitern und das Geschäft etwa mit Elektro-Mobilität ausbauen. Carlyle-Manager Friedel Drees nannte die Partnerschaft den richtigen Schritt zur richtigen Zeit. 

Die börsennotierte Schaltbau Holding AG gehört nach eigenen Angaben mit einem Jahres­umsatz von etwa 500 Millionen Euro und rund 3.000 Beschäftigten zu den international führenden Anbietern von Systemen und Komponenten für die Verkehrstechnik und die Investitionsgüterindustrie. Die Carlyle-Gruppe verwaltete nach eigenen Angaben Ende Juni dieses Jahres ein Vermögen von rund 276 Milliarden US-Dollar (rund 234 Milliarden Euro).