Fahrgastverband erwartet „Chaos im Bahnverkehr“

ICE stehen in einem Bahnhof (Archiv) | Foto: Imago / Emmanuele Contini

Vor Bekanntgabe des Abstimmungs­ergebnisses über den Tarif­streik bei der Deutschen Bahn hat der Fahrgast­verband Pro Bahn vor möglichen Folgen für die Passagiere gewarnt.

Berlin (dts) – „Ich rechne mit einem erneuten Chaos im Bahnverkehr“, sagte der Verbands­vorsitzende Detelf Neuß dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Dienstagausgaben). Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) müsse mögliche Streik-Pläne zumindest frühzeitig kommunizieren, so Neuß.

Er forderte die Konfliktparteien dazu auf, sich erneut an den Verhandlungstisch zu setzen und im Sinne der Fahrgäste nicht den Bahnverkehr zu bestreiken. „Am Ende leidet der Bahnkunde unter dem Streik – und der ist nicht Tarifpartner. Der Bahnkunde wird zum Druckmittel, das darf nicht sein.“


Es sei klar, dass beide Tarifparteien Zugeständnisse machen müssten, sagte Neuß dem RND. „Mit einem eindeutigen Ergebnis der Urabstimmung könnte die GDL zurück an den Verhandlungstisch kehren, statt den Bahnverkehr lahmzulegen.“ Und weiter: „Besonders in dieser Zeit, in der die Bahn wegen der Corona-Pandemie viele Fahrgäste verloren hat, ist ein Streik sehr ungünstig“, sagte der Pro-Bahn-Vorsitzende. „Die GDL will immer spontan streiken, aber das führt zu einem großen Chaos zu Lasten der Kunden. Wenn Züge ausfallen, muss der Kunde das mindestens 24 Stunden vorher wissen. Er muss am Abend wissen, ob morgens ein Zug fährt. Bei den letzten Streiks gab es ein großes Chaos, das darf sich nicht wiederholen.“

SPD-Fraktionsvize und Verkehrspolitiker Sören Bartol übte scharfe Kritik am GDL-Vorsitzenden Claus Weselsky: „Es ist nicht hilfreich, wenn Herr Weselsky zum Abschied noch eine One-Man-Show durchzieht“, sagte Bartol dem RND. „Die Bahn nimmt nach einer sehr schwierigen Zeit gerade wieder Schwung auf. Diese Erholung nicht gleich wieder abzuwürgen, ist im Interesse aller Beteiligten, auch der Mitglieder der GDL“. Zwar habe das Streikrecht einen hohen Stellenwert, so Bartol: „Ich wünsche mir aber mehr Mäßigung und Sachlichkeit in der Auseinandersetzung.“