GDL kämpft für Anerkennung und Gerechtigkeit der Beschäftigten

Zugbegleiter und Lokführer unterhalten sich | Foto: EVN

Der Streik der Lokführer­gewerkschaft GDL, der den Bahn­verkehr derzeit zu großen Teilen lahmlegt, hat seine Gründe. Viele Mitarbeiter des Staats­konzerns sind unzu­frieden.

Frankfurt/Berlin (evn) – Laut der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ist der Frust unter vielen Beschäftigten groß – es geht ihnen um Wertschätzung und Anerkennung sowie um eine faire Entlohnung.

Die GDL fordert für das direkte Personal eine Lohnsteigerung wie im öffentlichen Dienst von insgesamt rund 3,2 Prozent (1,4 Prozent zum 1. April 2021 und weitere 1,8 Prozent zum 1. April 2022) sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro. Die Laufzeit des Tarifvertrages soll 28 Monate betragen. Das letzte Angebot der Bahn umfasste ebenfalls 3,2 Prozent – allerdings liege man bei der Laufzeit auseinander, ebenso bei der Corona-Prämie, sagte Bahn-Personalvorstand Martin Seiler am Mittwoch im ZDF.

Ein weiteres Streitthema ist die Betriebsrente: Während sich die Führungskräfte monatlich bis zu 20.000 Euro aus dem Altersversorgungssystem genehmigten, würden die Betriebsrenten der Lokführer in Höhe von 150 Euro noch um 50 Euro gekürzt, beklagt die Gewerkschaft. Der Staatskonzern hatte Ende letzten Jahres den Zusatzversorgungstarifvertrag mit der GDL zur betrieblichen Zusatzrente ersatzlos gekündigt.



Die Bahn sei für die harten Arbeitskampfmaßnahmen selbst verantwortlich, hieß es. „Jetzt ist die Zeit reif dafür, die Scheinangebote zu verwerfen, die sogar noch unter dem Schlichtungs­ergebnis des vergangenen Jahres liegen, und Nägel mit Köpfen zu machen. Statt Steuergelder sinnlos zu verbrennen, müssen diese in die Zukunft des Eisenbahnsystems, in die Klimaziele und in die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner investiert werden“, forderte der GDL-Bundes­vorsitzende Claus Weselsky.

Klaus-Dieter Hommel, der Chef der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), warf der GDL vor, dass der Streik vor allem die zukünftige Existenz der Gewerkschaft sichern solle. „Hier geht es um Mitgliederwerbung. Und es geht um eine Zukunft der Bahn, mit Hinblick auf eine Organisationsmacht der GDL.“ Die Forderungen der Gewerkschaft kämen erst am Ende, meinte Hommel.

Kritische Töne zum aktuellen Streik kamen auch vom Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter. Nach Ansicht des BDA-Chefs zeige die Lokführergewerkschaft mit dem jetzigen Streik einmal mehr, „dass es ihr vorrangig um Machtinteressen und nicht um das tatsächliche Erzielen eines Tarifkompromisses geht.“ Das Handeln der GDL gefährde die „ohnehin schwierige Erholung der Wirtschaft“, betonte er. Unternehmen und Betriebe bräuchten jetzt Stabilität und Planungssicherheit. „Wenn einzelne Berufsgruppen ein Unternehmen in dieser Weise lahmlegen, ist das Missbrauch der Tarif­autonomie“, sagte Kampeter.