Weselsky: „Propaganda-Abteilung der Bahn redet Streik klein“

GDL-Chef Claus Weselsky | Foto: Imago / Future Image

Claus Weselsky, der Bundes­vorsitzende der Gewerk­schaft Deutscher Lokomotiv­führer (GDL), hat in seiner Bilanz zur ersten Streik­aktion scharfe Worte für das Vorgehen der Deutschen Bahn in Sachen Kommu­nikation gefunden.

  Aktualisiert | 13. August 2021, 15.12 Uhr  

Berlin (evn) – „Es beginnt bereits aus der Abteilung Agitation und Propaganda der neue Weg, den Streik der GDL kleinzureden“, sagte Weselsky am Freitag in Berlin. Er bezog sich dabei auf die von der Bahn verlautbarten Zahlen, wonach nur rund 5.400 der insgesamt 19.700 Lokführer gestreikt hätten. Der GDL-Chef beanstandete dabei, dass der Konzern außer Acht ließ, dass sich nicht im Dienst befindliche Lokführer in der Ruhezeit oder im Urlaub befunden hätten. Auch habe die Bahn streikende Zugbegleiter unterschlagen. Das seien „alles Manipulations­versuche“, um darzustellen, dass hier eine kleine Gruppe den Eisenbahnverkehr lahmlegen würde, so Weselsky. Seine Gewerkschaft mit 37.000 Mitgliedern sei durchaus relevant. Auch sprach er von einer „großen Solidarisierung“ unter den Gewerk­schafts­mitgliedern.



In einem Interview mit dem Nachrichtensender Welt verteidigte Weselsky am Freitagmittag seine „Propaganda“-Wortwahl aus der Pressekonferenz. „Das was hier stattfindet, ist gezielte Täuschung der Öffentlichkeit und der Medienvertreter.“ Er wirft dem Bahnkonzern damit vor, bewusst falsche Informationen zu verbreiten. Die Kommunikationsstrategie des Konzerns zeige, dass die Bahn „nach wie vor unbeirrbar an ihrem Kurs festhalten möchte und weitere Arbeitskampfmaßnahmen provoziert“, so der Chef  der Lokführergewerkschaft weiter.

Von Mitarbeitern der Deutschen Bahn ist zu hören, dass viele der GDL-Mitglieder hinter Weselsky und seinen Argumenten stünden. Vor allem der Frust auf das Management der Bahn sei groß, sagte ein Mitarbeiter der S-Bahn München gegenüber Bahnblogstelle.

Die GDL hatte den Güter- und Personenverkehr von Mittwoch- bis Freitagmorgen bestreikt, und das erst wenige Stunden vorher angekündigt. Insgesamt waren drei Viertel der Fern­verkehrs­verbindungen ausgefallen. Auch im Regionalverkehr gab es starke Einschränkungen.