Weniger Schienenkilometer in Thüringen – Reaktivierungen selten

Sillgelegte Bahnstrecke (Symbolbild) | Foto: Pixabay

Viel weniger Schienen-, aber deutlich mehr Autobahn­kilometer: So lässt sich die Entwicklung der Verkehrs­infrastruktur in Thüringen seit der Wende zusammen­fassen. Nur in Ausnahme­fällen fährt heute dort wieder ein Personen­zug, wo er in der Vergangenheit abbestellt wurde.

Erfurt (dpa) – Seit den 1990er Jahren ist in Thüringen mindestens jeder fünfte Kilometer Bahnstrecke weggefallen. Zuletzt seien im Freistaat noch etwa 1600 Streckenkilometer durch Bahnunternehmen betrieben worden, heißt es in der Antwort des Thüringer Infrastruktur­ministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Laura Wahl. Im Jahr 1996 seien es noch etwas mehr als 2000 Streckenkilometer gewesen. Das heißt, dass heute nur noch etwa 80 Prozent der damals vorhandenen Bahntrassen auch tatsächlich betrieben werden.

Für die Jahre vor 1996 liegen dem Ministerium nach eigenen Angaben keine statistischen Angaben vor, da die Zuständigkeit für den öffentlichen Personennahverkehr erst zum 1. Januar 1996 vom Bund auf die Länder übertragen wurde. Weil aber auch in der ersten Hälfte der 1990er Jahre Thüringer Bahnstrecken stillgelegt wurden, lässt sich mutmaßen, dass seit der Wende insgesamt mehr als 20 Prozent des Bahnnetzes im Land stillgelegt wurde.

Auf den Streckenkilometern, die heute noch betrieben werden, könnten sowohl Personen- als auch Güterzüge fahren, schreibt das Ministerium in seiner Antwort. „Schieneninfrastrukturen werden nicht nach Personen- oder Güterverkehrsstrecken differenziert.“

Zu den längsten Eisenbahnstrecken in Thüringen, die seit dem Ende der DDR stillgelegt wurden, gehört nach Ministeriumsangaben unter anderem die einstige Schienenverbindung von Emleben nach Gräfenroda, die erst 2019 vom Netz ging. Sie war fast 28 Kilometer lang; ebenso wie die Verbindung von Dorndorf nach Kaltennordheim, die 2003 stillgelegt wurde. Jeweils etwa 20 Schienenkilometer waren zuvor bereits zwischen Ilmenau und Großbreiten­bach beziehungsweise später zwischen Bad Frankenhausen und Sondershausen-Jecha stillgelegt worden.


Reaktiviert wurden durch das Land hingegen nur einige wenige Abschnitte des Schienen­personen­nahverkehrs, die zuvor in der Regel mangels Nachfrage eingestellt worden waren. Beispielsweise fahren zwischen Eisfeld und Sonneberg auf einer Strecke von etwa 32 Kilometern seit 2002 wieder Personenzüge, obwohl der entsprechende Verkehr 1997 zuvor abbestellt worden war.

Für einige weitere Abschnitte des Bahnnetzes in Thüringen prüft das Ministerium weitere Wiederinbetriebnahmen. „Die Thüringer Landesregierung arbeitet derzeit an Untersuchungen und Vorbereitungen für mögliche Reaktivierungen unter anderem für die Höllentalbahn, die Werrabahn, die Ohratalbahn und die Max- und Moritzbahn“, heißt es in der Antwort auf die Kleine Anfrage.

Ganz anders als bei der Bahninfrastruktur ist die Lage bei den Autobahnkilometern in Thüringen. Deren Zahl hat seit der Wende deutlich zugenommen – vor allem durch den Bau der Thüringer-Wald-Autobahn. Habe es 1991 noch 250 Autobahnkilometer im Freistaat gegeben, seien es nun 521 Autobahnkilometer, schreibt das Ministerium an Wahl. Vor allem in den 2000er Jahren waren den Angaben nach neue Autobahnabschnitte im Land freigegeben worden.

Auch beim Blick auf alle Straßen des sogenannten überörtlichen Verkehrs – also Autobahnen, Bundesstraßen, Landesstraßen und Kreisstraßen zusammen – ergibt sich ein ähnliches Bild. Den Angaben nach gab es 1991 etwa 8000 Kilometer solcher Straßen in Thüringen, inzwischen sind es fast 9500 Kilometer.