Erster GDL-Streik verursacht Millionenschaden – Scheuer will Schlichter im Bahn-Tarifkonflikt einsetzen

DB-Logo auf einem Zug | Foto: DB AG

Um einen erneuten Streik bei der Deutschen Bahn zu verhindern, schaltet sich laut einem Medien­bericht nun die Bundes­regierung ein.

  Aktualisiert | 15. August 2021, 14.34 Uhr  

Berlin (evn) – Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will einen Schlichter bei den schwierigen und festgefahrenen Verhandlungen zwischen der Lokführer­gewerk­schaft GDL und dem Staatskonzern einsetzen, vermeldet die Bild am Sonntag. Diesen müssten allerdings beide Seiten akzeptieren. Aus Regierungskreisen wurde der Deutschen-Presse-Agentur am Sonntag bestätigt, dass eine Schlichtung bei dem bundeseigenen Konzern im Raum stehe. Allerdings gelte es, die Tarifautonomie zu beachten.

Eine Bahn-Sprecherin sagte laut der Nachrichtenagentur, das Unternehmen sei auch zu einer Schlichtung bereit. Für die Deutsche Bahn stehe das Ergebnis im Vordergrund. „Wichtig ist, dass wir beginnen, ernsthaft über Inhalte zu sprechen.“ Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) zeigte sich dem Bericht zufolge ablehnend. Es habe zur aktuellen Tarifrunde bereits im vergangenen Jahr eine Schlichtung gegeben, sagte eine GDL-Sprecherin. Diese sei gescheitert, die Chance Schlichtung sei vertan.

Die Bahn hatte bereits im Herbst 2020 mit Blick auf die massiven Corona-Auswirkungen noch vor Auslaufen des Tarifvertrags mit der GDL eine erste Schlichtung eingeleitet. Die GDL lehnte den Vorschlag von Schlichter Matthias Platzeck (SPD) dann aber ab. So lief der Tarifvertrag im Februar dieses Jahres normal aus und zwischen Bahn und GDL begannen die Verhandlungen.

Die Lokführergewerkschaft hat zuletzt ein verbessertes Angebot als Voraussetzung für Gespräche gefordert. Die Deutsche Bahn will ihrerseits der GDL nur ein Angebot am Verhandlungs­tisch vorlegen. Bahn-Personalvorstand Martin Seiler bot der Gewerkschaft am Freitag erneut Gespräche an. Er sei davon überzeugt, dass man am Verhandlungstisch kurz­fristig Lösungen finden könne, sagte er. Der Konzern sei bereit dazu.



GDL-Chef Claus Weselsky hatte zuvor eine Protestkundgebung seiner Organisation vor dem Bahntower in Berlin für den kommenden Dienstag angekündigt. Danach könne ein neuerlicher Streik drohen.

Laut der Bild am Sonntag soll sich der Verlust der Deutschen Bahn durch den zweitägigen Streik am vergangenen Mittwoch und Donnerstag auf rund 50 Millionen Euro belaufen haben. Der Ausstand hatte bundesweit zu massiven Störungen im gesamten Streckennetz der Bahn geführt – etwa 75 Prozent der Fernzüge und rund 60 Prozent der Regionalverbindungen waren streikbedingt ausgefallen. Auch rund 300 Güterzüge blieben stehen.

Bahn und GDL ringen im aktuellen Tarifkonflikt um eine Lohnerhöhung von 3,2 Prozent. Strittig ist jedoch, wann die Erhöhung greifen und wie lang der neue Tarifvertrag gelten soll. Auch Betriebs­renten und eine Corona-Prämie zählen zu den Streitthemen.