Tarifstreit zwischen Bahn und GDL – Weselsky nennt streikende Mitglieder „Helden“

Claus Weselsky, Bundesvorsitzender der Lokführergewerkschaft GDL | Foto: Imago / Future Image

Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, hat sich stolz und zufrieden über die Solidarisierung der Mitglieder seiner Organisation gezeigt.

Frankfurt (evn) – „Mein besonderer Dank gilt heute einer Gruppe, die momentan noch nicht so sehr groß ist, aber die ich durchaus gerne als Helden bezeichnen möchte“, sagte Weselsky in einer am Montag veröffentlichten Videobotschaft. „Die heldenhaft Streikenden in der Infrastruktur, in den Werkstätten, im modernsten Rangierbahnhof in Halle – diese möchte ich ganz besonders hervorheben.“ Auch dort sei es gelungen, ein „deutliches Zeichen“ in Richtung Arbeitgeber zu senden. Die Gewerkschaft hatte in der vergangenen Woche zwei Tage lang den Zugverkehr der Deutschen Bahn zu einem großen Teil lahmgelegt.

Die GDL sei insgesamt gesehen „mit der Kampfkraft der Lokomotivführer hervorragend aufgestellt“, betonte der Gewerkschaftschef. Zudem freue er sich, dass neue Berufsgruppen hinzukämen.

Weselsky machte deutlich, dass Schluss sein müsse mit Interessenlosigkeit, Ja-Sagerei und dem Griff in die Taschen der kleinen Leute. „Wir sind systemrelevant, die Eisenbahnerinnen und Eisenbahner, die in Deutschland das Eisenbahnsystem rocken – nicht die Beletage, die zu Hause sitzt und dann davon träumt Boni zu bekommen.“


Außerdem betonte der GDL-Chef, dass es seiner Gewerkschaft in der aktuellen Auseinander­setzung mit der Deutschen Bahn nicht um politische Ziele gehe. „Ja wir machen auch Politik, aber nicht im Augenblick“, so Weselsky. Ziel sei es nun, Mehrheiten in allen systemrelevanten DB-Betrieben zu erreichen, unabhängig davon, ob die GDL das umstrittene Tarifeinheitsgesetz gerichtlich weiter angreifen werde.

Die Lokführergewerkschaft hatte am Sonntag eine von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vorgeschlagene Schlichtung vorerst abgelehnt. Eine erste Schlichtung war bereits im November 2020 gescheitert.

Die GDL wartet weiter auf ein besseres Angebot von der Gegenseite. Die Deutsche Bahn wiederrum sei jederzeit zu Gesprächen bereit, erklärte Bahn-Personalvorstand Martin Seiler am Freitag. Gerungen wird aktuell um eine Lohnerhöhung von 3,2 Prozent. Strittig ist jedoch, wann die Erhöhung greifen und wie lang der neue Tarifvertrag gelten soll. Auch Betriebsrenten und eine Corona-Prämie zählen zu den Streitthemen. Eine Einigung im festgefahrenen Tarifkonflikt ist aktuell nicht in Sicht. In einigen Tagen könnte bereits ein neuerlicher Streik drohen.