Tarifstreit bei der Bahn – Jetzt droht auch EVG-Chef Hommel mit Arbeitskampf

Klaus-Dieter Hommel, Vorsitzender der EVG | Foto: Pixabay / EVG

Sollte die Lokführergewerkschaft GDL im aktuellen Tarifkonflikt einen besseren Abschluss mit der Deutschen Bahn als die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) erzielen können, kündigte EVG-Chef Klaus-Dieter Hommel bereits Nachbesserungen an. Dann könnten auch Streiks von Seiten der zweiten Gewerkschaft drohen.

Berlin (evn) – „Wir haben für unseren Tarifvertrag ein Sonderkündigungsrecht ausgehandelt für den Fall, dass es mit einer anderen Gewerkschaft wesentlich andere Regelungen gibt“, sagte er der Rheinischen Post. „Diese Option werden wir ziehen, wenn es notwendig wird. Dann wären wir auch von der Friedenspflicht befreit.“

Laut Hommel ging es der EVG bei ihrem Tarifabschluss im September 2020 neben „moderaten“ Lohnerhöhungen vor allem um „den Schutz für die ganze Belegschaft“. Es sei vereinbart worden, dass „es keine Kurzarbeit und keine Entlassungen gibt und dass weiterhin Auszubildende eingestellt werden, obwohl der Verkehr bei der Bahn um weit mehr als 50 Prozent eingebrochen war und obwohl niemand wusste, wie lange die Corona-Krise dauern wird.“ Bahn und EVG hatten sich damals auf eine Lohnerhöhung von 1,5 Prozent erst ab 2022 geeinigt. Die Lokführergewerkschaft hingegen will mehr für ihre Mitglieder erreichen – eine Nullrunde in diesem Jahr lehnt sie ab.


Als Gewerkschafter habe er „natürlich nichts gegen Streiks“, allerdings appellierte Hommel an die GDL und den Bahnvorstand, den Tarifstreit endlich zu beenden: Die rein materiellen Forderungen der GDL und das Angebot der Bahn lägen nicht so weit auseinander. „Da müsste man sich ohne weiteren Arbeitskampf einigen können“, sagte er.

Hommel warf der GDL vor, mit ihren Streikaktionen auch einen „politischen Tarifkampf“ zu führen. Es gehe nur am Rande darum, etwas Konkretes für die Beschäftigten herauszuholen, sondern darum, neue Mitglieder zu werben. Auch der Zeitraum, kurz vor der Bundestagswahl, sei bewusst gewählt, glaubt der EVG-Vorsitzende. Die GDL erhoffe sich dadurch, dass die Politik den Bahnvorstand „zu tarifpolitischen Zugeständnissen bringt, die dieser zum Wohle des inneren Friedens bei der Bahn nie von sich aus abgeschlossen hätte.“