Bahn will Lokführergewerkschaft mit Corona-Prämie entgegenkommen

Lokführer im Führerstand eines Regionalzuges | Foto: DB AG / Pablo Castagnola

Die Deutsche Bahn will der streikbereiten Lokführergewerkschaft im festgefahrenen Tarifkonflikt entgegenkommen und bietet an, über die geforderte Corona-Prämie zu verhandeln.

  Aktualisiert | 22. August 2021, 11.20 Uhr  

BERLIN | Um einen erneuten Streik im Personenverkehr in letzter Sekunde abzuwenden, will der Staatskonzern laut einem Bericht der Bild am Sonntag auf den Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, zugehen. Das Blatt bezieht sich dabei auf Informationen aus „Verhandlungskreisen“. Wie hoch die Prämie ausfallen könnte, soll verhandelt werden. Die GDL hatte zuletzt 600 Euro gefordert.

Laut dem Bericht soll Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) die Verhandlungsführer der Bahn in Hintergrundgesprächen gebeten haben, einen Schritt auf die GDL zuzugehen – auch, um den Streik zu verhindern. Wie Bahnblogstelle am späten Samstagabend aus Bahnkreisen erfuhr, wolle der Konzern der Gewerkschaft eine „greifbare Lösung“ anbieten.

Seit dem frühen Samstagabend bestreiken die Lokführer erneut den Güterverkehr von DB Cargo, ab Montagmorgen um 2 Uhr soll der Ausstand auch auf den Personenverkehr ausgeweitet werden. Damit würden rund 75 Prozent aller Fernzüge und etwa 60 Prozent aller Regional- und Nahverkehrszüge der Deutschen Bahn ausfallen. Der mehrtägige Arbeitskampf soll bis Mittwochmorgen um 2 Uhr andauern.

Bereits am 11. und 12. August hatte die GDL den Zugverkehr in einer ersten Streikrunde größtenteils lahmgelegt. Die Situation zwischen beiden Seiten ist seit Wochen verhärtet. Der Lokführergewerkschaft geht es unter anderem um 3,2 Prozent mehr Lohn und den Schutz der Betriebsrenten. Der Bahnkonzern hatte der GDL zwar ebenfalls 3,2 Prozent angeboten, die Erhöhung soll hier aber erst später greifen. Auch bei der Laufzeit des Tarifvertrags liegen die Vorstellungen beider Seiten noch deutlich auseinander.

FDP-Chef Christian Lindner forderte unterdessen beide Seiten auf, an den Verhandlungstisch zu kommen. „Ich habe kein Verständnis dafür, dass nicht verhandelt wird. Es muss ein Schiedsverfahren eingeleitet werden. Bahn und Gewerkschaft haben eine Verantwortung für unser Land“, sagte Lindner der Bild am Sonntag.


Quelle: EVN