Zwei Jahre Lieferverzug – ÖBB kündigen Auftrag mit Alstom

Triebzug vom Typ Talent 3 | Foto: Alstom / Bombardier

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben einen Lieferauftrag über 41 Züge mit dem Schienenfahrzeughersteller Alstom gekündigt. Am Produktionsstandort Hennigs­dorf im Landkreis Oberhavel (Brandenburg) geht die Angst der Beschäftigten um.

HENNIGSDORF | Wie in dieser Woche bekannt wurde, ist den Österreichern „am Dienstag der Kragen geplatzt“. Seit mittlerweile zwei Jahren warten sie auf die Auslieferung der Neufahrzeuge vom Typ Talent 3, die für die Regionen Tirol und Vorarlberg bestimmt waren. Die ÖBB und der frühere Zugbauer Bombardier Transportation, im Januar von Alstom übernommen, hatten im Dezember 2016 eine Rahmenvereinbarung über bis zu 300 Züge mit einem Gesamtwert von rund 1,8 Milliarden Euro abgeschlossen. Die Auslieferung der ersten Züge war für 2019 geplant. Das Problem: Die Fahrzeuge haben bis heute keine Zulassung.

Nun wurde der Auftrag kurzerhand an Konkurrent Siemens Mobility vergeben, wie das Nachrichtenportal Business Insider und der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) übereinstimmend berichten. Bestellt wurden dort nun vorerst 21 Regionaltriebzüge des Typs Desiro ML, weitere 25 Stück (für Tirol) könnten zu einem späteren Zeitpunkt folgen.

Der wegfallende ÖBB-Auftrag reiße jetzt „ein noch viel größeres Loch in die Einnahmen“ des Alstom-Werks in Hennigsdorf, heißt es. Die Verluste beliefen sich demnach auf eine dreistellige Millionenhöhe. Mitarbeiter hätten die Befürchtung, dass das Bahnwerk ganz geschlossen werden könnte. Bislang tritt das Unternehmen derartigen Vorhaben aber entgegen. Der Standort, an dem  rund 2.000 Mitarbeitende beschäftigt sind, stehe nicht in Frage und es gebe keine Schließungspläne, sagte ein Alstom-Sprecher auf rbb-Anfrage.

Mit der Fusion zwischen Alstom und dem Zugbauer des kanadischen Konzerns Bombardier hatte die EU-Kommission Auflagen zur Bedingung gemacht. Demnach sollten Teile der Produktion in Hennigsdorf verkauft werden. Die Verhandlungen mit dem tschechischen Interessenten Skoda-Transportation gestalteten sich den Berichten zufolge zuletzt allerdings schwierig und drohen nun zu platzen.


Quelle: EVN