Zweite Streikrunde steht bevor – Erneut harte Geduldsprobe für Millionen Bahnkunden

Lokführergewerkschaft GDL bestreikt Deutschen Bahn | Foto: Imago / Political-Moments

Der erneute Streik der Lokführergewerkschaft GDL wird Pendler und Bahnreisende in ganz Deutschland wieder auf eine harte Geduldsprobe stellen. Millionen Kunden müssen sich am Montag und Dienstag auf Verspätungen und Zugausfälle einstellen.

BERLIN | Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat ihre Mitglieder zum zweiten Mal in der laufenden Tarifauseinandersetzung aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Unter anderem in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wird es daher wohl erneut zu erheblichen Einschränkungen im Zugverkehr kommen. Nach Angaben eines Bahnsprechers sei die Streikbereitschaft in der Region sehr groß. Daher dürften die Auswirkungen hier besonders zu spüren sein.

Im Süden Deutschlands könnten nach Angaben der GDL regionale Schwerpunkte wie Stuttgart, Mannheim oder Karlsruhe vom Ausstand besonders betroffen sein. Die S-Bahn Stuttgart versucht nach eigenen Angaben, auf den Hauptlinien einen Stundentakt zu fahren. In Bayern sollen die Züge der Nürnberger und Münchner S-Bahnen an den Streiktagen ebenfalls mindestens einmal pro Stunde verkehren. Auf stadtnahen Abschnitten der bayerischen Landeshauptstadt soll ein 20- bis 40-Minuten-Takt unterwegs sein. Wo immer möglich würden Langzüge eingesetzt, erklärte ein Bahnsprecher.

Privatbahnen wie Agilis, die Länderbahn oder die Bayerische Regiobahn (BRB) sind nicht direkt betroffen. „Unsere Züge fahren ganz normal fahrplanmäßig“, sagte eine BRB-Sprecherin. Es könne aber zu Verzögerungen kommen, etwa wenn sich Fahrdienstleiter am Streik beteiligten. Neben Lokführern, Zugbegleitern und Servicepersonal würden auch Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn ihre Arbeit niederlegen, es könne das ein oder andere Stellwerk betroffen sein, sagte GDL-Sprecher Erik Großmann. Gleiches gilt auch in den anderen Bundesländern: So weisen auch Metronom, Enno und Erixx daraufhin, dass sie vom Streik nicht betroffen sind. Sollten sich allerdings die Mitarbeiter der Bahn-Infrastruktur dem Streik anschließen, so könne es auch hier zu Beeinträchtigungen kommen.



Laut Unternehmensangaben peilt die Deutsche Bahn über den Zeitraum des Streiks ein Zugangebot von etwa 25 Prozent im Fernverkehr und im Schnitt 40 Prozent im Regional- und S-Bahnverkehr an. Die Bahn riet Kunden, angesichts der Lage Fernreisen möglichst zu verschieben. Tickets für Fahrten, die von dem Streik am Montag und Dienstag betroffen sind, sollen auch schon ab diesem Wochenende bis einschließlich zum 4. September genutzt werden können.

Mit dem neuerlichen Streik bis zum Mittwochmorgen will die GDL den Druck auf das Bahn-Management erhöhen. Die Mitglieder „streiken für mehr Löhne, für den Schutz ihrer Rente“, sagte Gewerkschaftschef Claus Weselsky am Freitag in Berlin. Die Forderung der Gewerkschaft beinhaltet Lohnerhöhungen wie im öffentlichen Dienst von rund 3,2 Prozent sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro im laufenden Jahr. Der Bahnkonzern hatte der GDL zwar 3,2 Prozent angeboten, die Erhöhung soll hier aber erst später greifen. Auch bei der Laufzeit des Tarifvertrags liegen die Vorstellungen beider Seiten noch deutlich auseinander.

Nur wenn die Bahn ein verbessertes Tarifangebot vorlege, könne sie den Streik noch abwenden, machte Weselsky am Freitag deutlich. Das Unternehmen bezeichnete den Ausstand als „völlig überflüssig“. „Dieser zweite Ferienstreik zeigt: Ein Tarifpartner verweigert sich permanent“, sagte Personalvorstand Martin Seiler. Er warf der GDL vor, ihren Einfluss im Konzern auf dem Rücken der Kunden ausdehnen zu wollen.


Quelle: EVN / dpa